Katzen in Not

Die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid hat diese Woche offiziell bekanntgegeben, dass sie den Solidarpakt für das Tierheim Troisdorf verlassen hat. Stattdessen will die Gemeinde die Fund- und Gefahrtiere nun von einem Verein ohne eigenes Tierheim verwalten lassen, weil dies nur ca. 1/4 der Kosten verursache.

Die Gemeinde hat überdies bekanntgegeben, dass sie sich deshalb in Zukunft um Katzen nur noch kümmern wird, wenn diese krank oder verletzt sind. Andere Katzen sind nach Ansicht der Gemeinde nicht hilfsbedürftig. Man kann diese Auffassung aus juristischer Sicht durchaus vertreten. Gerade im Frühjahr sind viele unkastrierte Kater auf Brautschau und manchmal tagelang von zuhause weg – deshalb sind sie nicht gleich in Not. An den Sorgen ihrer Menschen, was mit dem Haustiger geschehen ist, ändert das aber nichts.

Das eigentliche Problem beginnt bei der Frage, ab wann eine Katze als hilfsbedürftig anzusehen ist. Kostenträger definieren das gerne ab dem Punkt, wo eine Erkrankung oder Verletzung offensichtlich ist, also zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall. Die Praxis zeigt: Das funktioniert nicht. Denn gerade Laien sind häufig nicht in der Lage auch die Verletzungen und Beschwerden zu erkennen, die unbehandelt für eine Katze zu ernsten Problemen führen können.

Aber selbst, wenn man sich nur auf die offensichtlichen, schweren Verletzungen und Erkrankungen beschränkt, hat das Modell einen fühlbaren Haken: die Kosten. Denn wie immer ist es gerade die Versorgung kranker und verletzter Tiere, die nachhaltige Defizite in den Etats von TIerschutzvereinen auslöst. Häufig ist das überhaupt nur einigermaßen erträglich zu gestalten, wenn man – wie das Tierheim Troisdorf – einen angestellten Tierarzt hat, der nicht fallweise bezahlt werden muss. Hat man den nicht, lässt sich nur sparen, wenn man einfach weniger behandelt.

Wie der neue Vertragspartner der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid mit dieser Kostenschere umgeht, werden die Bürger vermutlich aufmerksam beobachten. Nicht nur in Neunkirchen-Seelscheid, sondern auch in Much, wo man sich ebenfalls aus dem Solidarpakt für das Tierheim Troisdorf verabschiedet hat.

Die Gemeinden Alfter, Bad Honnef und Sankt Augustin haben dagegen in der vergangenen Woche einen deutlichen Kontrapunkt gesetzt: Sie haben binnen zweier Tage als erste Gemeinden den neuen Pauschalvertrag für das Tierheim unterschrieben und zurückgesandt. Die Bürger dieser Gemeinden können daher auch in Zukunft sicher sein, dass sich um ihre Fundtiere – auch die Katzen – gut gekümmert wird.

 

Link zur Veröffentlichung der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid