Kein Verkaufsstopp für Heuschmann-DVD

stimmenderpferdedvdDie vom Wu-Wei-Verlag herausgegebene DVD "Stimmen der Pferde", die auf einem Buch des Mediziners Gerd Heuschmann fusst, darf sowohl in Deutschland wie auch in Österreich weiterhin verkauft werden. Anderslautende Meldungen, die auch vom Wu-Wei-Verlag selbst veröffentlicht wurden, haben sich nach Recherchen der Zeitung "Die Pferderegion" als falsch herausgestellt.

Auf den Verlagsseiten des Wu-Wei-Verlages sowie im Gästebuch von Gerd Heuschmann waren Meldungen veröffentlicht worden, die umstrittene DVD dürfte nur noch bis zum 19. Juni verkauft werden, danach sei der Vertrieb durch eine gerichtliche Verfügung untersagt.

Die Verlegerin Isabella Sonntag hatte hierzu am 26. Mai im Gästebuch von Heuschmann ausgeführt, der Verlag dürfe die DVD ab sofort nicht mehr ausliefern. Kurz darauf korrigierte sie diese Darstellung dahingehend, der Vertrieb sei noch bis zum 19. Juni möglich. Diese Ankündigung führte zu umfangreichen Diskussionen und Solidaritätsbekundungen, außerdem wurde die Meldung von Zeitungen wie der "Reiter Revue" übernommen. Im Gästebuch von Gerd Heuschmann wurde gar von Lesern zu einem Solidaritätsritt aufgerufen, dessen Einnahmen dem Wu-Wei-Verlag zu Gute kommen sollten.

Tatsächlich kann aber derzeit von einem aktuellen oder zukünftigen Verkaufsverbot für "Stimmen der Pferde" keine Rede sein, wie Recherchen der Pferderegion jetzt zeigten.

Zwar wurde der Wu-Wei-Verlag von einer Österreichischen Dressurreiterin, deren Pferd in einigen Szenen des Films zu sehen ist, auf Unterlassung und Widerruf in Anspruch genommen – aber außer einer Klage und einem Antrag auf einstweilige Verfügung ist in der Sache bislang nichts geschehen.

Ob das zuständige Landesgericht in Steyr (Österreich) überhaupt eine einstweilige Verfügung erlassen wird, ist ungewiss. Bislang ist der Wu-Wei-verlag lediglich aufgefordert, sich in der Sache zu äußern. Die Verlegerin Isabelle Sonntag hat angekündigt, sich gegen die Klage wehren zu wollen und bereits einen Rechtsanwalt in Österreich beauftragt. Im Gespräch mit der "Pferderegion" zeigte sich Sonntag siegessicher, was ein späteres Verfahren anging.

Erst nach Abschluß eines solchen Verfahrens wäre sicher, ob die DVD noch verkauft werden darf oder nicht. Dem Verlag stünde es davon abgesehen jederzeit frei, die umstrittenen Szenen aus der DVD zu entfernen. Von einem Verkaufsverbot wäre möglicherweise auch der Handel betroffen, wenn der Wu-Wei-Verlag per Gerichtsentscheid gezwungen würde, bereits ausgelieferte DVDs wieder zurückzurufen.

Auf ihrer Website korrigierte die Verlegerin Isabella Sonntag nach den Recherchen und einem Gespräch mit der Pferderegion ihre bisherige Darstellung sofort, verkündet dort jetzt aber, der Verkauf der DVD sei "nur noch auf unbestimmte Zeit erhältlich" – was naturgemäß für so ziemlich jede DVD gelten dürfte.

Mai 28, 2009

Drohungen vom Fachverlag [mit Update]

Es gibt viele Gründe, warum das Bedrohen von Journalisten eine ziemlich dumme Idee ist. Einer der wichtigsten ist sicher, dass man damit eine schlechte Kinderstube offenbart ein Signal setzt, dass mit der angefragten Geschichte offensichtlich ein wunder Punkt verbunden ist. Diese Erfahrung musste bei uns zuletzt der Bonner Hundetrainer Martin Rütter machen, der dem Kollegen Florian Ditges auf kritische Fragen hin einen längeren Anwaltsbrief schicken ließ. Die darauf folgenden Recherchen ergaben ein ziemlich ernüchterndes Bild von Rütters Franchise-System "DOGS" und der Firma "Mina Trading".

Der Verleger Thomas Sagkob hat sich gestern als ähnlich kluger Kommunikator gezeigt. Wir haben Sagkob einige Fragen zum Zusammenschluß der Zeitungen "Pferde Fahren Sport" und "Pferd & Wagen" gestellt, nachdem sich hier bisherige Abonnenten der Traditionszeitung "Pferde Fahren Sport" gemeldet hatten. Die sind über die Art und Weise, wie sie durch den Zusammenschluß der Zeitungen nun zu Abonnenten der "Pferd & Wagen" wurden verärgert und fragen sich, ob alles mit rechten Dingen zuging.

Genau das haben wir sowohl die bisherigen Herausgeber der "Pferde Fahren Sport", die Familie Lütz in Alfter bei Bonn, als auch den neuen Herausgeber, Thomas Sagkob gefragt. Der meldete sich gestern telefonisch und eröffnete das Gespräch erstmal mit einer Drohung: Wenn bei uns etwas zu diesem Thema erschiene, werde man uns mit einer "einstweiligen Verfügung" beglücken. Die konkreten Fragen, die wir zwei Wochen vorher per Fax übermittelt hatten, hatte er nach eigenem Bekunden zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gelesen.

Für uns erstmal ein klares Indiz, dass die Schilderungen verärgerter Zwangs-Abonnenten der "Pferd & Wagen" über ihre Erfahrungen mit dem Fachverlag Sagkob vielleicht nicht ganz abwegig sind.

Das gerade Verlage im Umgang mit Journalisten dünnhäutig sind, ist nicht selten. Das mag insbesondere im Pferdebereich daran liegen, dass dort nur selten Journalisten tätig sind – etwa ebenso selten wie es wirklich unabhängige Berichterstattung gibt. Für den Fachverlag Sagkob kann ich das bislang nicht beurteilen, aber zumindestens die Reaktion des Chefs läßt Schlimmes befürchten – der fragte nämlich auch nach, ob er denn einen Bericht wenigstens zuvor "vorgelegt" bekäme.

Die Antwort konnte er sich vermutlich aber schon denken.

[Update 2.4.2009: Der Fachverlag Sagkob hat uns nun doch eine Stellungnahme übermittelt. Über seinen Anwalt.]

April 1, 2009

"Es ist vorbei, und das ist auch gut so"

Der Sportjournalist Jens Weinreich hat seine Auseinandersetzung mit dem DFB und dessen Präsidenten Theo Zwanziger durch einen Vergleich beendet.

Ich habe mich an dem Spendenaufruf zugunsten von Weinreich beteiligt und auch selbst gespendet – und finde Weinreichs Entscheidung, die Streitigkeit nun nicht bis zum endgültigen juristischen Ende zu führen, sehr vernünftig. Zum einen kann man durchaus die Hoffnung haben, dass dem DFB ein deutliches Signal gesetzt wurde, zum anderen hatte die Auseinandersetzung nachvollziehbar auch permamenten Belastungen nicht finanzieller Art zur Folge. Jeder Freiberufler weiß, was das bedeutet.

Wir hatten juste auch in der April-Ausgabe der "Pferderegion" zu einer Spende für Weinreich aufgerufen, der die nicht verwendeten Spenden nun auf die Hartplatzhelden und den Journalistenverband Freischreiber verwenden will.

Finde ich gut. Danke, Jens Weinreich!

März 28, 2009

Machen Sie mit: Einen Zwanziger gegen Zwanziger!

Das hier hat nichts mit Pferden zu tun, dafür sehr viel mit Machtstrukturen im Sport und dem, was diese Machtstrukturen stört: Der Presse- und Meinungsfreiheit. Es geht um den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und den Schaden, den er gerade für diese Gesellschaft anrichtet – wenn Sie nicht helfen, ihn daran zu hindern.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) und sein Präsident Theo Zwanziger bemühen sich schon seit langer Zeit, den freien Sportjournalisten Jens Weinrich zu diskreditieren. Sie tun dies, nachdem mehrere Gerichte festgestellt haben, dass Weinreich den DFB-Präsidenten unter bestimmten Umständen zu Recht als "unglaublichen Demagogen" bezeichnen darf. Weinreich hatte dies im Juli 2008 in einem Kommentar im Weblog "Direkter Freistoß" getan, im Zusammenhang mit einem Auftritt des DFB-Präsidenten beim Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Seit diesem Kommentar bemühen sich Theo Zwanziger und der Deutsche Fußballbund aggressiv darum, Weinrich ihn juristisch zu bedrängen. Die komplette, in höchstem Maße beschämende Geschichte finden Sie in hunderten von Beiträgen im Internet, am übersichtlichsten aber zusammengestellt im Weblog von Jens Weinreich. Das Vorgehen von Theo Zwanziger wird – nicht nur in der deutschen Presse – mit fassungslosem Kopfschütteln und deutlichen Worten kommentiert, aber offensichtlich haben sich Zwanziger und der ihm ergebene Deutsche Fußballbund beschlossen, die Farce in jedem Fall zu einem für Weinreich schädlichen Ende zu bringen.

Es gibt mindestens einen wichtigen Grund, warum ihnen das besser nicht gelingen sollte: Der Schaden würde nicht nur für Weinreich, sondern für jeden von uns groß sein. Denn wenn es Menschen wie Zwanziger unter Ausnutzung der ihnen durch ein Amt zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gelingen würde, Urteile der Gerichte dadurch auszuhebeln, dass sie einfach den längeren finanziellen Atem haben – dann wird Meinungs- und Pressefreiheit plötzlich eine Frage des Geldbeutels.

Natürlich hängt diese Frage nicht wirklich am Fall "Zwanziger ./. Weinreich". Aber sie hängt in der Tat am dahinter stehenden Prinzip und so gesehen ist es wieder ein Verdienst des DFB-Präsidenten, dass er diesem Prinzip durch seine offensichtliche Rachsucht ein besonders plakatives Gesicht gegeben hat: Andere Demagogen gehen weniger offensichtlich vor.

Menschen wie Jens Weinreich müssen für Funktionäre wie Theo Zwanziger unglaublich unerträglich sein. Das ist ihre Berufung und ihr Schicksal zugleich. In Weinreichs Fall  hat das vor allem finanzielle Konsequenzen: Denn obwohl die beteiligten Gerichte bislang immer zugunsten des freien Sportjournalisten entschieden haben, sind ihm bereits Kosten in fünfstelliger Höhe entstanden, die er selbst tragen muß – während Zwanziger als DFB-Präsidenten in dieser Frage offensichtlich sorgenfrei ist.

Jens Weinreich braucht deshalb Hilfe. Und denken Sie bitte nicht, das ginge Sie nichts an. Stellen Sie sich einfach vor, Sie wollten irgendwann Ihr verfassungsmäßiges Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nehmen und eine Institution wie den DFB kritisieren. Stellen Sie sich vor, einem Menschen wie Theo Zwanziger würde das nicht gefallen.

Und stellen Sie sich zum Abschluß vielleicht noch vor, es gäbe keine Journalisten wie Jens Weinreich mehr, die Sie auf solche Zusammenhänge aufmerksam machen könnten. Dann wären Sie mit Leuten wie Theo Zwanziger alleine.

 "Einen Zwanziger gegen Zwanziger":

Ich sage dem Journalisten Jens Weinreich "Danke" und unterstütze ihn durch eine Spende auf das eigens eingerichtete Spendenkonto:

  • Kontoname: Spenden DFB ./. Weinreich
  • Kontonummer: 1005801897
  • BLZ: 12030000
  • Deutsche Kreditbank AG
  • BIC/SWIFT BYLADEM1001
  • IBAN DE71120300001005801897

Februar 22, 2009

Martin Rütter: Journalist fragt, Anwalt antwortet

[Dieser Beitrag wurde im Original bei der Zeitung "Die Pferderegion" veröffentlicht]

[Update: Wir würden gerne mit derzeitigen oder ehemaligen Franchisenehmern oder Mitarbeitern von Martin Rütter ins Gespräch kommen. Auf Wunsch vertraulich. kontakt@die-pferderegion.de]

Der Journalist Florian Ditges ist nicht irgendwer. Als Mitglied im "Netzwerk Recherche" und Autor eines viel beachteten Buches über Krisenkommunikation weiß der Mann, wann bei ihm die Alarmglocken klingeln müssen. Und zwar die Art Alarmglocken, die sagen: ‘Du hast bei Deinen Recherchen einen wunden Punkt erreicht, jetzt wird es spannend’.

Am Freitag hat Ditges im Bonner General Anzeiger einen Bericht über den Hundetrainer Martin Rütter veröffentlich, dessen gemeinsam mit der Fressnapf betriebene Firma "Dox Network" allen Mitarbeitern gekündigt hat. Schon zu diesem Bericht, aber auch für die Folgerecherchen, hat Florian Ditges einen umfangreichen Katalog von Fragen an Rütter geschickt, um seine bisherigen Rechercheergebnisse abzusichern. Das gehört sich so, zumal die Recherchen den Verdacht ergeben haben, dass sowohl die "Dox Network GmbH" als auch Rütters ältere Firma, die "MINA Trading GmbH", bereits 2007 bilanziell überschuldet waren. Das würde angesichts der aktuell ausgesprochenen Kündigungen an sämtliche Mitarbeiter durchaus weitere Fragen aufwerfen.

Diese Fragen an Martin Rütter wurden auch prompt beantwortet – allerdings von dessen Anwalt. Und das ist gleich in doppelter Hinsicht spannend:

Zum einen zeichnet es ein etwas irritierendes Bild von einem Menschen, der sich in seinen TV-Aufritten gerne als kommunikativ begabter Mensch darstellt.

Zum anderen – wichtiger – fällt auf, dass sich der Anwalt von Rütter zwar zwar ausufernd über die angebliche "Vernachlässigung der journalistischen Sorgfaltspflicht" beschwert, gleichzeitig aber nicht der von Ditges vorgelegten Behauptung widerspricht, sowohl Dox Network als auch MINA Trading seien zum 31.12.2007 bilanziell insolvent gewesen. Ditges hatte geschrieben:

"Ausweislich der uns vorliegenden aktuellen Geschäftsbilanzen sind sowohl die M.I.N.A. Trading GmbH als auch die Dox Network GmbH zum 31.12.2007 quasi insolvent. Auf Basis welcher finanzieller Grundlagen betreiben Sie die beiden GmbHs weiter?"

Der Anwalt, der sich auf seiner Website als Rechtsberater mit den Interessenschwerpunkten Gesellschafts- und Presserecht vorstellt und Martin Rütter nach eigenen Angaben "dauerhaft anwaltlich" vertritt, formuliert in seiner Antwort stattdessen:

"Falsch ist Ihre Behauptung, die M.I.N.A. Trading GmbH und/oder die DOX Networks GmbH sei insolvent oder quasi insolvent. Die finanzielle Situation der M.I.N.A. Trading GmbH ist solide."

Nun würde man Martin Rütter möglicherweise unrecht tun, wenn man aus dieser Stellungnahme seines Anwaltes quasi im Rückkehrschluß herauslesen wollte, die bilanzielle Überschuldung Stand Ende 2007 sei damit zugestanden. Dennoch läßt es aufhorchen, denn das gezielte Bestreiten oder Nicht-Bestreiten gehört zum wichtigsten täglichen Anwaltsgeschäft.

In jedem Fall aber läßt die Rütter-per-Anwalt-Antwort damit eine zentrale Frage in den Recherchen von Florian Ditges offen – was mit Blick auf die Franchise-Pläne von Rütter kaum klug sein kann. Denn Ditges ist kein Anfänger in diesem Geschäft und hat seine Recherchen ohnehin gut abgesichert: So haben ihm Fachleute längst bestätigt, dass die (von Gesetzes wegen zu veröffentlichenden) Bilanzen beider Firmen einen Fehlbetrag ausweisen, sprich: zum 31.12.2007 mehr Verbindlichkeiten als Vermögen hatten.

Das muß mit Blick auf heute natürlich nichts bedeuten. Beiden Firmen können heute, entsprechend der Einlassung von Rütters Anwalt, "solide" sein. Fakt ist: Das weiß nur Rütter selbst. Und der könnte, muß aber nicht, zu entsprechenden Fragen von Jounalisten Stellung nehmen und erklären, warum die "solide" Firma Dox Network dennoch alle Mitarbeiter gekündigt hat.

Die journalistische Erfahrung lehrt: In vielen Fällen, in denen konkrete Fragen plötzlich per Anwalt beantwortet werden, hat der Journalist mit seiner Frage einen schwierigen Punkt getroffen. Nicht immer, aber oft. Und Ditges wäre kein guter Journalist, wenn er nicht spätestens jetzt noch genauer das Franchise-System von Rütter hinterfragt, das seinenTeilnehmern bis zu 18 Prozent der Umsätze und tausende Euros für eine Ausbildung abverlangt. Auch, wenn er nun wohl kaum noch auf eine direkte Beantwortung seiner Fragen hoffen kann. Und Ditges wird mit seinen Fragen nicht lange alleine bleiben, wie die aktuellen Diskussionen in Internetforen zeigen.

Februar 18, 2009