Machen Sie mit: Einen Zwanziger gegen Zwanziger!

Das hier hat nichts mit Pferden zu tun, dafür sehr viel mit Machtstrukturen im Sport und dem, was diese Machtstrukturen stört: Der Presse- und Meinungsfreiheit. Es geht um den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und den Schaden, den er gerade für diese Gesellschaft anrichtet – wenn Sie nicht helfen, ihn daran zu hindern.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) und sein Präsident Theo Zwanziger bemühen sich schon seit langer Zeit, den freien Sportjournalisten Jens Weinrich zu diskreditieren. Sie tun dies, nachdem mehrere Gerichte festgestellt haben, dass Weinreich den DFB-Präsidenten unter bestimmten Umständen zu Recht als "unglaublichen Demagogen" bezeichnen darf. Weinreich hatte dies im Juli 2008 in einem Kommentar im Weblog "Direkter Freistoß" getan, im Zusammenhang mit einem Auftritt des DFB-Präsidenten beim Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Seit diesem Kommentar bemühen sich Theo Zwanziger und der Deutsche Fußballbund aggressiv darum, Weinrich ihn juristisch zu bedrängen. Die komplette, in höchstem Maße beschämende Geschichte finden Sie in hunderten von Beiträgen im Internet, am übersichtlichsten aber zusammengestellt im Weblog von Jens Weinreich. Das Vorgehen von Theo Zwanziger wird – nicht nur in der deutschen Presse – mit fassungslosem Kopfschütteln und deutlichen Worten kommentiert, aber offensichtlich haben sich Zwanziger und der ihm ergebene Deutsche Fußballbund beschlossen, die Farce in jedem Fall zu einem für Weinreich schädlichen Ende zu bringen.

Es gibt mindestens einen wichtigen Grund, warum ihnen das besser nicht gelingen sollte: Der Schaden würde nicht nur für Weinreich, sondern für jeden von uns groß sein. Denn wenn es Menschen wie Zwanziger unter Ausnutzung der ihnen durch ein Amt zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gelingen würde, Urteile der Gerichte dadurch auszuhebeln, dass sie einfach den längeren finanziellen Atem haben – dann wird Meinungs- und Pressefreiheit plötzlich eine Frage des Geldbeutels.

Natürlich hängt diese Frage nicht wirklich am Fall "Zwanziger ./. Weinreich". Aber sie hängt in der Tat am dahinter stehenden Prinzip und so gesehen ist es wieder ein Verdienst des DFB-Präsidenten, dass er diesem Prinzip durch seine offensichtliche Rachsucht ein besonders plakatives Gesicht gegeben hat: Andere Demagogen gehen weniger offensichtlich vor.

Menschen wie Jens Weinreich müssen für Funktionäre wie Theo Zwanziger unglaublich unerträglich sein. Das ist ihre Berufung und ihr Schicksal zugleich. In Weinreichs Fall  hat das vor allem finanzielle Konsequenzen: Denn obwohl die beteiligten Gerichte bislang immer zugunsten des freien Sportjournalisten entschieden haben, sind ihm bereits Kosten in fünfstelliger Höhe entstanden, die er selbst tragen muß – während Zwanziger als DFB-Präsidenten in dieser Frage offensichtlich sorgenfrei ist.

Jens Weinreich braucht deshalb Hilfe. Und denken Sie bitte nicht, das ginge Sie nichts an. Stellen Sie sich einfach vor, Sie wollten irgendwann Ihr verfassungsmäßiges Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nehmen und eine Institution wie den DFB kritisieren. Stellen Sie sich vor, einem Menschen wie Theo Zwanziger würde das nicht gefallen.

Und stellen Sie sich zum Abschluß vielleicht noch vor, es gäbe keine Journalisten wie Jens Weinreich mehr, die Sie auf solche Zusammenhänge aufmerksam machen könnten. Dann wären Sie mit Leuten wie Theo Zwanziger alleine.

 "Einen Zwanziger gegen Zwanziger":

Ich sage dem Journalisten Jens Weinreich "Danke" und unterstütze ihn durch eine Spende auf das eigens eingerichtete Spendenkonto:

  • Kontoname: Spenden DFB ./. Weinreich
  • Kontonummer: 1005801897
  • BLZ: 12030000
  • Deutsche Kreditbank AG
  • BIC/SWIFT BYLADEM1001
  • IBAN DE71120300001005801897

Februar 22, 2009

Martin Rütter: Journalist fragt, Anwalt antwortet

[Dieser Beitrag wurde im Original bei der Zeitung "Die Pferderegion" veröffentlicht]

[Update: Wir würden gerne mit derzeitigen oder ehemaligen Franchisenehmern oder Mitarbeitern von Martin Rütter ins Gespräch kommen. Auf Wunsch vertraulich. kontakt@die-pferderegion.de]

Der Journalist Florian Ditges ist nicht irgendwer. Als Mitglied im "Netzwerk Recherche" und Autor eines viel beachteten Buches über Krisenkommunikation weiß der Mann, wann bei ihm die Alarmglocken klingeln müssen. Und zwar die Art Alarmglocken, die sagen: ‘Du hast bei Deinen Recherchen einen wunden Punkt erreicht, jetzt wird es spannend’.

Am Freitag hat Ditges im Bonner General Anzeiger einen Bericht über den Hundetrainer Martin Rütter veröffentlich, dessen gemeinsam mit der Fressnapf betriebene Firma "Dox Network" allen Mitarbeitern gekündigt hat. Schon zu diesem Bericht, aber auch für die Folgerecherchen, hat Florian Ditges einen umfangreichen Katalog von Fragen an Rütter geschickt, um seine bisherigen Rechercheergebnisse abzusichern. Das gehört sich so, zumal die Recherchen den Verdacht ergeben haben, dass sowohl die "Dox Network GmbH" als auch Rütters ältere Firma, die "MINA Trading GmbH", bereits 2007 bilanziell überschuldet waren. Das würde angesichts der aktuell ausgesprochenen Kündigungen an sämtliche Mitarbeiter durchaus weitere Fragen aufwerfen.

Diese Fragen an Martin Rütter wurden auch prompt beantwortet – allerdings von dessen Anwalt. Und das ist gleich in doppelter Hinsicht spannend:

Zum einen zeichnet es ein etwas irritierendes Bild von einem Menschen, der sich in seinen TV-Aufritten gerne als kommunikativ begabter Mensch darstellt.

Zum anderen – wichtiger – fällt auf, dass sich der Anwalt von Rütter zwar zwar ausufernd über die angebliche "Vernachlässigung der journalistischen Sorgfaltspflicht" beschwert, gleichzeitig aber nicht der von Ditges vorgelegten Behauptung widerspricht, sowohl Dox Network als auch MINA Trading seien zum 31.12.2007 bilanziell insolvent gewesen. Ditges hatte geschrieben:

"Ausweislich der uns vorliegenden aktuellen Geschäftsbilanzen sind sowohl die M.I.N.A. Trading GmbH als auch die Dox Network GmbH zum 31.12.2007 quasi insolvent. Auf Basis welcher finanzieller Grundlagen betreiben Sie die beiden GmbHs weiter?"

Der Anwalt, der sich auf seiner Website als Rechtsberater mit den Interessenschwerpunkten Gesellschafts- und Presserecht vorstellt und Martin Rütter nach eigenen Angaben "dauerhaft anwaltlich" vertritt, formuliert in seiner Antwort stattdessen:

"Falsch ist Ihre Behauptung, die M.I.N.A. Trading GmbH und/oder die DOX Networks GmbH sei insolvent oder quasi insolvent. Die finanzielle Situation der M.I.N.A. Trading GmbH ist solide."

Nun würde man Martin Rütter möglicherweise unrecht tun, wenn man aus dieser Stellungnahme seines Anwaltes quasi im Rückkehrschluß herauslesen wollte, die bilanzielle Überschuldung Stand Ende 2007 sei damit zugestanden. Dennoch läßt es aufhorchen, denn das gezielte Bestreiten oder Nicht-Bestreiten gehört zum wichtigsten täglichen Anwaltsgeschäft.

In jedem Fall aber läßt die Rütter-per-Anwalt-Antwort damit eine zentrale Frage in den Recherchen von Florian Ditges offen – was mit Blick auf die Franchise-Pläne von Rütter kaum klug sein kann. Denn Ditges ist kein Anfänger in diesem Geschäft und hat seine Recherchen ohnehin gut abgesichert: So haben ihm Fachleute längst bestätigt, dass die (von Gesetzes wegen zu veröffentlichenden) Bilanzen beider Firmen einen Fehlbetrag ausweisen, sprich: zum 31.12.2007 mehr Verbindlichkeiten als Vermögen hatten.

Das muß mit Blick auf heute natürlich nichts bedeuten. Beiden Firmen können heute, entsprechend der Einlassung von Rütters Anwalt, "solide" sein. Fakt ist: Das weiß nur Rütter selbst. Und der könnte, muß aber nicht, zu entsprechenden Fragen von Jounalisten Stellung nehmen und erklären, warum die "solide" Firma Dox Network dennoch alle Mitarbeiter gekündigt hat.

Die journalistische Erfahrung lehrt: In vielen Fällen, in denen konkrete Fragen plötzlich per Anwalt beantwortet werden, hat der Journalist mit seiner Frage einen schwierigen Punkt getroffen. Nicht immer, aber oft. Und Ditges wäre kein guter Journalist, wenn er nicht spätestens jetzt noch genauer das Franchise-System von Rütter hinterfragt, das seinenTeilnehmern bis zu 18 Prozent der Umsätze und tausende Euros für eine Ausbildung abverlangt. Auch, wenn er nun wohl kaum noch auf eine direkte Beantwortung seiner Fragen hoffen kann. Und Ditges wird mit seinen Fragen nicht lange alleine bleiben, wie die aktuellen Diskussionen in Internetforen zeigen.

Februar 18, 2009

Gemeinschaftsunternehmen von Martin Rütter und Fressnapf kündigt alle Mitarbeiter

[Hinweis: Dieser Beitrag wurde im Original bei der Zeitung "Die Pferderegion" veröffentlicht]
[Update: Wir würden gerne mit derzeitigen oder ehemaligen Franchisenehmern oder Mitarbeitern von Martin Rütter ins Gespräch kommen. Auf Wunsch vertraulich. kontakt@die-pferderegion.de]

Die Krefelder "Dox Network GmbH" trennt sich bundesweit von allen 23 Mitarbeitern und stellt den Betrieb eigener Hundeschulen nach dem Konzept von Martin Rütter ein. Der will jetzt alleine weitermachen.

Der Hundetrainer Martin Rütter ist in den letzten Jahren als Protagonist verschiedener Fernsehsendungen und als Buchautor bekannt geworden. In den Formaten "Eine Coach für alle Felle" (WDR) oder "Der Hundeprofi" (VOX) stellte er seine "D.O.G.S." genannten Ausbildungskonzepte für gewaltfreien Umgang mit Hunden vor und begeisterte so ein großes Publikum. Die dadurch erlangte Bekanntheit will Rütter schon seit einiger Zeit für den Aufbau eines bundesweiten Netzes von Hundeschulen nutzen, die als "Zentren für Menschen mit Hund" die Lehren von Rütter vermitteln sollen.

Ein zu diesem Zweck gemeinsam mit der Krefelder Tierhandelskette "Fressnapf" betriebenes Unternehmen ist aber nun spektakulär gescheitert. Die "Dox Network GmbH" sollte mit festangestellten Hundetrainern Kunden für das Rütter-Konzept gewinnen und hatte zu diesem Zweck bereits neun Standorte gegründet. Nach zwei Jahren "Probebetrieb" ist jetzt Schluß: Zum 31. März hat die Firma allen Mitarbeitern gekündigt und verzichtet fortan auf den Betrieb der Hundeschulen. Die Entscheidung steht in auffälligem Kontrast zu den aktuellen Erfolgsmeldungen der Handelskette Fressnapf, die in aktuellen Pressemitteilungen verkündet, die "Tierliebe kennt keine keine Krise". Zumindest für die Ausbildung von Hunden scheint das nicht zu gelten.

"Keine kurzfristige Entscheidung"

Wie Martin Rütter in einer Stellungnahme gegenüber dem Bonner General Anzeiger erklärte, sei dies "keine kurzfristige Entscheidung, sondern die logische Konsequenz nach einer zweijährigen Testphase, in der sich die Auslastung nicht schnell genug eingestellt hatte". Im Klartext: Die "Zentren für Menschen mit Hund" haben nicht genug Kunden angezogen, um die laufenden Kosten und die Mitarbeiter zu bezahlen.

Deren Zukunft ist jetzt ungewíß. Nach Angaben von Rütter seien allen Festangestellten Ersatzbeschäftigungen angeboten worden, unter anderem im Bereich der Fressnapf oder in Martin Rütters eigener Firma, der "MINA Trading Gmbh".

Diese Firma, die seit kurzem ihren Sitz von Erftstadt nach Bonn verlagert hat, will nach Angaben von Rütter auch die bestehenden neun Zentren der Dox Network in ihr Franchise-Netzwerk integrieren. Rütter ist Alleingesellschafter der MINA Trading und verfolgt mit ihr ebenfalls den Aufbau eines bundesweiten Netzes aus Hundeschulen – allerdings mit einem Franchisekonzept. Einige der bislang festangestellten Mitarbeiten der Zentren für Menschen mit Hund sollen daher auch das Angebot erhalten, den jeweiligen Standort innerhalb des Franchisesystems fortzuführen. Die Jobangebote für festangestellte Coaches hat die MINA Trading zwischenzeitlich von ihren Internetseiten gelöscht.

Franchise-System mit ungewissen Aussichten

Rütter bietet bereits seit einiger Zeit bundesweit Interessierten an, eine Hundeschule nach dem "D.O.G.S."-System aufzubauen und zu betreiben. Voraussetzung ist eine fast einjährige Ausbildung bei Rütter, für die der Hundetrainer den Aspiranten nach eigenen Angaben rund 9.500,- Euro abverlangt. Die Absolventen dürfen anschließend in einem strengen Regeln unterworfenen System eine Hundeschule betreiben und von Rütters Bekanntheit aus den Fernsehserien profitieren. Der Trainer wirbt neue Franchisenehmer ausdrücklich mit seinem Verweis auf die beständige Medienpräsenz.

Franchisenehmer müssen für den laufenden Betrieb der Hundeschulen eine monatliche Pauschale von 350,- Euro an die MINA Trading überweisen. Hinzu kommt eine umsatzbezogene Gebühr von zehn bis 18 Prozent, was weitaus mehr als in den meisten etablierten Franchise-Systemen ist. Zum Vergleich: Die nun aus der Unternehmung mit Rütter ausgestiegene Handelskette Fressnapf in Krefeld verlangt Ihren Franchisenehmern lediglich 1,65 % vom laufenden Umsatz ab.

Nach Informationen der "Pferderegion" verlangen die "D.O.G.S."-Hundeschulen zwischen 20 und 50 Euro für eine Stunde Hundetraining, je nach Zahl der Teilnehmer oder gwünschtem Individualtraining. Offensichtlich haben sich für diese Preisspanne im Betrieb der "Dox Network GmbH" nicht ausreichend Kunden gefunden, um die Kosten für festangestellte Coaches einzuspielen. Es kann daher durchaus Zweifel daran geben, dass der Betrieb innerhalb eines Franchisesystems erfolgreicher möglich ist – denn die Franchisenehmer selbst müssen nun die kompletten Betriebskosten der "Zentren für Menschen mit Hund" betreiben".

Undurchsichtige Informationspolitik

Martin Rütter selbst geht wenig offensiv mit dem Scheitern des "Dox Network" Konzeptes um. Der Hundetrainer, der aktuell mit dem Kölner Privatsender "VOX" an einer neuen Staffel von "Der Hundeprofi" arbeitet (ab Mai zu sehen), ist bislang nur gute Presse gewöhnt: In der traditionell nicht übermäßig kritischen deutschen Heimtierpresse erschienen bislang nur Berichte über die trainerische Arbeit von Rütter, dem selbst von Kritikern ein geschickter Umgang mit Menschen und Hunden bescheinigt wird. Mit dem Franchisesystem von Rütter haben sich Journalisten dagegen bislang noch nie detailiert beschäftigt. Möglicherweise reagiert Rütter auch deshalb so sensibel auf Anfragen zu seinen Konzepten und Firmen.

Nachfragenden Journalisten wird allerdings nicht nur nach unseren Erfahrungen schnell die Antwort verweigert, wenn zu hartnäckig nach den Hintergründen des Franchise-Systems oder der Dox Network gefragt wird. Auch die Fressnapf hat sich nach Auskunft von Kollegen bislang durch Schweigen solchen Fragen entzogen.

Während Rütter sich in den letzten zwei Wochen bei Kontakten mit der "Pferderegion" zunächst gesprächsbereit zeigte, wurde für ein mehrfach angefragtes Interview nun erst ein Termin im Mai angeboten – mit Hinweis darauf, dann könne man direkt über ein neues Buch und den Start der neuen Staffel von "Der Hundeprofi" sprechen.

Februar 14, 2009

Von gelungener Kommunikation

[Update: Beachten Sie bitte hierzu auch den Folgebeitrag: "Hundeprofi Martin Rütter scheitert in Gemeinschaftsunternehmen mit der Fressnapf"]

Wir haben heute zwei Beispiele gelungener Kommunikation erlebt, die schon deshalb erwähnenswert sind, weil sie in dieser Form so selten vorkommen.

Von schlechten Presseerklärungen und wie man sie rettet

Die Wichert GmbH, die in der Branche unter ihrer Marke "Kräuterwiese" bekannt ist, ließ uns gestern eine Pressemitteilung zukommen, die alles vermissen ließ, was man von einer guten Presseerklärung erwarten muss. Kein echtes Thema, keine Nachricht, praktisch keine Sachinformation und dazu ein Anschreiben, das ebenfalls keines war.

Im Grunde ein Fall für die Löschtaste, denn es gibt keinen Grund, schlechte Pressemitteilungen zu entschuldigen oder zu akzeptieren. Ihre Absender beanspruchen Resourcen, die sie nicht bezahlen möchten und sie wünschen sich Aufmerksamkeit von Menschen, denen sie ein Angebot machen möchten. Trotzdem treffen hier jeden Tag solche Mitteilungen verschiedenster Firmen ein, die im Grunde nur eines zeigen: Dass die Absender sich nicht dafür interessieren, ob sie wirklich ein interessantes Angebot vorzuweisen haben. Man hätte das gerne gedruckt und fertig.

Wo immer so was funktionieren mag: Hier nicht. Deshalb hat Kräuterwiese seine Presseerklärung auch direkt zurückbekommen, verbunden mit einer durchaus provokativen Antwort:

Wie sollen wir als Zeitung eine solche Meldung berücksichtigen, wenn nicht ein Mindestmaß an Information darin steckt? "Futtersponsoring für deutschen Reitsport"? Wir haben eben mal bei den Nachbarn gefragt, da ist bis heute nichts angekommen.

Im Ernst: haben Sie es nicht etwas genauer? Wer wird gesponsert? Womit genau? Wie lange? Weshalb gerade er?

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Unternehmen auf solche Rückfragen entweder gar nicht, oder in höchstem Maße verärgert reagieren (den bisherigen humoristischen Höhepunkt in dieser Hinsicht setzte letztes Jahr die BESW Hufakademie in Tuntenhausen, die unter eine zur Veröffentlichung gedachte Presseerklärung den Belehrung setzte, es sei "nicht erlaubt, diese Nachricht zu kopieren oder Dritten zugänglich zu machen" und auf einen Hinweis mit Beschimpfung reagierte. Aber ich schweife ab).

Kräuterwiese jedenfalls machte diesen Fehler nicht. Im Gegenteil: Keine 24 Stunden später reagierte die Chefin persönlich und lieferte eine klare Antwort auf unsere Fragen. Kein falsches Beleidigtsein, keine Gegenprovokation, sondern direkte Kommunikation und genau die Sachinformation, nach der gefragt wurde. Am Schluß: "Wir beantworten auch gern noch weitere Fragen". Mit einer E-Mail hat Annette Wichert damit vielen ihrer Wettbewerber vorgemacht, wie es geht.

Der Meister selbst ist am Telefon

So hatte ich gestern einen Logbuch-Eintrag überschrieben, der sich mit dem Hundetrainer Martin Rütter beschäftigt und auf diverse mißglückte Versuche in den letzten Monaten anspielte, einen Interview-Termin mit Rütter zu bekommen. Eine an sein Büro gestellte Frage zu zwei von Rütter betrieben Firmen löste einen direkten Anruf bei uns aus und bei uns entstand der Eindruck, das habe direkt mit dieser Frage zu tun:

Zu meiner Überraschung meldete sich Rütter vor zwei Stunden telefonisch bei uns im Büro, nachdem ich seiner Assistentin am Wochenende eine E-Mail geschickt und um Auskunft über zwei Firmen gebeten hatte, in denen Rütter als Geschäftsführer verzeichnet wird.

Dass ich den Vorgang in einem Beitrag festgehalten habe, hat Martin Rütter nicht gefallen. Aber anstatt das bereits zugesagte persönliche Treffen beleidigt platzen zu lassen, griff er erneut zum Handy. In dem zweiten Telefonat hat er durchaus klar formuliert, was ihn stört – und dass er dennoch gerne für ein längeres Gespräch zur Verfügung stehen möchte. Das ist für einen Menschen, der sich in vielerlei Hinsicht um Öffentlichkeit nicht sorgen muss, durchaus nicht selbstverständlich und hinterläßt schon mal den Eindruck, dass es mit der verkündeten Transparenz auch ernst gemeint ist.

Bei zwei positiven Beispielen an einem Tag fallen natürlich die zum Alltag gehörenden Kommunikationsversager um so deutlicher auf: Diesen Pokal hat sich gerade der Pressesprecher des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums abgeholt, der unsere Fragen zum Vergabeskandal sehr konkret nicht beantwortet hat. Aber das ist eine eigene Geschichte.

GEOPRESS_LOCATION(Bonn, Deutschland)

Februar 4, 2009

Logbuch vom 2. Februar 2009

Ein Tag mit ungewöhnlich vielen Zugriffen auf unserer Website. Das mag vor allem auch an der Geschichte über den Brand in einem Reitstall nahe Herford liegen, in dem fünf Pferde den Tod fanden. Heute hat sich eine Betroffene per Kommentar bei uns zu Wort gemeldet und den Verlust zweier Pferde beklagt. Feuer im Stall ist der wahre Albtraum aller Pferdemenschen. Die kommenden Pferdeadressen-Bücher bestimmen die meisten Telefonanrufe in diesen Tagen: Eintragungsbögen, Anzeigenvormerkungen und zunehmend auch Bestellungen. Ein Anrufer wollte gerne nur die Daten der Verzeichnisse bekommen, möglichst in strukturierter Form, damit er sie nicht wieder abtippen müsse. Dieser Wunsch wird ihm allerdings unerfüllt bleiben, denn Adressenhandel ist unsere Sache nicht.

Februar 3, 2009