Ahlmann, Gravemeier, Nolting

Wie erwartet, kommt nun Dynamik in den „Fall Ahlmann“, und es wird nicht nur um Doping gehen. Auf den Bundestrainer wird nun scharf geschossen, auch der Mannschaftsarzt kommt unter Feuer. Und die Verbandsspitze duckt sich, in der Hoffnung, ungeschoren davon zu kommen.

Auch die B-Probe im Fall Ahlmann war positiv. Ein Ergebnis, das eigentlich so recht wohl niemanden mehr interessierte, denn inzwischen werden weitaus mehr Themen gegenseitig aufgerechnet, als nur die Frage verbotener Salben. Dabei wäre das durchaus noch spannend: Denn wie der SPIEGEL in seiner gedruckten Ausgabe dieser Woche berichtet, geben Ahlmanns Ausreden nicht viel her. Das Medikament, so der SPIEGEL, sei in Deutschland schon nicht ohne weiteres zu bekommen und gehöre daher keineswegs zu Standard-Repertoire. Dagegen sei seine „leistungsfördernde Wirkung“ durchaus gut bekannt: Oberhalb der Hufe aufgetragen, fördere es die Schmerzempfindlichkeit und motiviere Springpferde auf diese Weise, Stangen mit Abstand zu überspringen. Es beginnt unappetitlich zu riechen, bei Herrn Ahlmann.

Dem Bundestrainer wird derweil vorgeworfen, dass ohnehin einiges schiefgelaufen sei. Nicht nur in den letzten Tagen in Hongkong, auch generell und in den letzten Jahren. Man habe sich zuwenig auf den Nachwuchs konzentriert und das Krisenmanagement von Gravemeier sei nicht ausreichend gewesen. Seine Vertragsverlängerung steht nun in Frage und das scheint auch der Bundestrainer so zu sehen: Die Finanzial Times Deutschland ließ er wissen, er denke bereits darüber nach, ob er noch „der richtige Mann an der richtigen Stelle“ sei. Eine Frage, die ihm nun ohnehin entgegenschlagen wird, wo die deutschen Springreiter ohne Medaille, dafür aber mit Dopingfall nach Hause kamen.

Der Dritte, dem nun unangenehme Fragen drohen, ist Mannschafts-Tierarzt Björn Nolting (Weilerswist). Bislang, so der Vorsitzende des Deutschen Springausschusses, Peter Hoffmann, habe man dazu keine Zeit gehabt. Aber man wird in der Tat wissen wollen, wieviel Nolting vom Einsatz der verbotenen Substanzen wusste und ob seine Erklärungen gegebenenfalls einleuchtender sind, als die von Ahlmann.

Es braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, was in den nächsten Wochen im großen Sport der Reiterei abgehen wird: Grabenkämpfe, aber auch offene Gefechte. Denn das Schockerlebnis von Olympia hat das Potential, die ansonsten festen Reihen der Funktionäre ordentlich einzudellen. Was wird passieren, wenn Reiter wie Ahlmann nicht die einzigen Verlierer in den Diskussionen um Leistungssport und Doping sein wollen? Über welche Praktiken und Köpfe wird es am Ende noch gehen? Es darf, ganz sportlich, gewettet werden.

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