Gemeinschaftsunternehmen von Martin Rütter und Fressnapf kündigt alle Mitarbeiter

[Hinweis: Dieser Beitrag wurde im Original bei der Zeitung „Die Pferderegion“ veröffentlicht]
[Update: Wir würden gerne mit derzeitigen oder ehemaligen Franchisenehmern oder Mitarbeitern von Martin Rütter ins Gespräch kommen. Auf Wunsch vertraulich. kontakt@die-pferderegion.de]

Die Krefelder "Dox Network GmbH" trennt sich bundesweit von allen 23 Mitarbeitern und stellt den Betrieb eigener Hundeschulen nach dem Konzept von Martin Rütter ein. Der will jetzt alleine weitermachen.

Der Hundetrainer Martin Rütter ist in den letzten Jahren als Protagonist verschiedener Fernsehsendungen und als Buchautor bekannt geworden. In den Formaten "Eine Coach für alle Felle" (WDR) oder "Der Hundeprofi" (VOX) stellte er seine "D.O.G.S." genannten Ausbildungskonzepte für gewaltfreien Umgang mit Hunden vor und begeisterte so ein großes Publikum. Die dadurch erlangte Bekanntheit will Rütter schon seit einiger Zeit für den Aufbau eines bundesweiten Netzes von Hundeschulen nutzen, die als "Zentren für Menschen mit Hund" die Lehren von Rütter vermitteln sollen.

Ein zu diesem Zweck gemeinsam mit der Krefelder Tierhandelskette "Fressnapf" betriebenes Unternehmen ist aber nun spektakulär gescheitert. Die "Dox Network GmbH" sollte mit festangestellten Hundetrainern Kunden für das Rütter-Konzept gewinnen und hatte zu diesem Zweck bereits neun Standorte gegründet. Nach zwei Jahren "Probebetrieb" ist jetzt Schluß: Zum 31. März hat die Firma allen Mitarbeitern gekündigt und verzichtet fortan auf den Betrieb der Hundeschulen. Die Entscheidung steht in auffälligem Kontrast zu den aktuellen Erfolgsmeldungen der Handelskette Fressnapf, die in aktuellen Pressemitteilungen verkündet, die "Tierliebe kennt keine keine Krise". Zumindest für die Ausbildung von Hunden scheint das nicht zu gelten.

"Keine kurzfristige Entscheidung"

Wie Martin Rütter in einer Stellungnahme gegenüber dem Bonner General Anzeiger erklärte, sei dies "keine kurzfristige Entscheidung, sondern die logische Konsequenz nach einer zweijährigen Testphase, in der sich die Auslastung nicht schnell genug eingestellt hatte". Im Klartext: Die "Zentren für Menschen mit Hund" haben nicht genug Kunden angezogen, um die laufenden Kosten und die Mitarbeiter zu bezahlen.

Deren Zukunft ist jetzt ungewíß. Nach Angaben von Rütter seien allen Festangestellten Ersatzbeschäftigungen angeboten worden, unter anderem im Bereich der Fressnapf oder in Martin Rütters eigener Firma, der "MINA Trading Gmbh".

Diese Firma, die seit kurzem ihren Sitz von Erftstadt nach Bonn verlagert hat, will nach Angaben von Rütter auch die bestehenden neun Zentren der Dox Network in ihr Franchise-Netzwerk integrieren. Rütter ist Alleingesellschafter der MINA Trading und verfolgt mit ihr ebenfalls den Aufbau eines bundesweiten Netzes aus Hundeschulen – allerdings mit einem Franchisekonzept. Einige der bislang festangestellten Mitarbeiten der Zentren für Menschen mit Hund sollen daher auch das Angebot erhalten, den jeweiligen Standort innerhalb des Franchisesystems fortzuführen. Die Jobangebote für festangestellte Coaches hat die MINA Trading zwischenzeitlich von ihren Internetseiten gelöscht.

Franchise-System mit ungewissen Aussichten

Rütter bietet bereits seit einiger Zeit bundesweit Interessierten an, eine Hundeschule nach dem "D.O.G.S."-System aufzubauen und zu betreiben. Voraussetzung ist eine fast einjährige Ausbildung bei Rütter, für die der Hundetrainer den Aspiranten nach eigenen Angaben rund 9.500,- Euro abverlangt. Die Absolventen dürfen anschließend in einem strengen Regeln unterworfenen System eine Hundeschule betreiben und von Rütters Bekanntheit aus den Fernsehserien profitieren. Der Trainer wirbt neue Franchisenehmer ausdrücklich mit seinem Verweis auf die beständige Medienpräsenz.

Franchisenehmer müssen für den laufenden Betrieb der Hundeschulen eine monatliche Pauschale von 350,- Euro an die MINA Trading überweisen. Hinzu kommt eine umsatzbezogene Gebühr von zehn bis 18 Prozent, was weitaus mehr als in den meisten etablierten Franchise-Systemen ist. Zum Vergleich: Die nun aus der Unternehmung mit Rütter ausgestiegene Handelskette Fressnapf in Krefeld verlangt Ihren Franchisenehmern lediglich 1,65 % vom laufenden Umsatz ab.

Nach Informationen der "Pferderegion" verlangen die "D.O.G.S."-Hundeschulen zwischen 20 und 50 Euro für eine Stunde Hundetraining, je nach Zahl der Teilnehmer oder gwünschtem Individualtraining. Offensichtlich haben sich für diese Preisspanne im Betrieb der "Dox Network GmbH" nicht ausreichend Kunden gefunden, um die Kosten für festangestellte Coaches einzuspielen. Es kann daher durchaus Zweifel daran geben, dass der Betrieb innerhalb eines Franchisesystems erfolgreicher möglich ist – denn die Franchisenehmer selbst müssen nun die kompletten Betriebskosten der "Zentren für Menschen mit Hund" betreiben".

Undurchsichtige Informationspolitik

Martin Rütter selbst geht wenig offensiv mit dem Scheitern des "Dox Network" Konzeptes um. Der Hundetrainer, der aktuell mit dem Kölner Privatsender "VOX" an einer neuen Staffel von "Der Hundeprofi" arbeitet (ab Mai zu sehen), ist bislang nur gute Presse gewöhnt: In der traditionell nicht übermäßig kritischen deutschen Heimtierpresse erschienen bislang nur Berichte über die trainerische Arbeit von Rütter, dem selbst von Kritikern ein geschickter Umgang mit Menschen und Hunden bescheinigt wird. Mit dem Franchisesystem von Rütter haben sich Journalisten dagegen bislang noch nie detailiert beschäftigt. Möglicherweise reagiert Rütter auch deshalb so sensibel auf Anfragen zu seinen Konzepten und Firmen.

Nachfragenden Journalisten wird allerdings nicht nur nach unseren Erfahrungen schnell die Antwort verweigert, wenn zu hartnäckig nach den Hintergründen des Franchise-Systems oder der Dox Network gefragt wird. Auch die Fressnapf hat sich nach Auskunft von Kollegen bislang durch Schweigen solchen Fragen entzogen.

Während Rütter sich in den letzten zwei Wochen bei Kontakten mit der "Pferderegion" zunächst gesprächsbereit zeigte, wurde für ein mehrfach angefragtes Interview nun erst ein Termin im Mai angeboten – mit Hinweis darauf, dann könne man direkt über ein neues Buch und den Start der neuen Staffel von "Der Hundeprofi" sprechen.

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