Der PSVR und die öffentlichen Gelder

Vorstand PSVR (Small) In Langenfeld hat vorgestern der rheinische Pferdesportverband die turnusmäßige, ordentliche Mitgliederversammlung durchgezogen und dabei nicht nur den bisherigen Vorstand entlastet, sondern auch neu im Amt bestätigt. Das wäre außer der verbandseigenen Postille vermutlich keinem eine Schlagzeile wert, wenn es nicht eigentlich erstaunlich wäre: Denn der Vorstand um den alten und neuen Präsidenten Friedrich Witte sitzt noch immer auf einer (mittlerweile immerhin geschrumpften) Bombe in Form einer Rückzahlungsforderung des Landes NRW.

Das möchte, nachdem der Landesrechnungshof bereits zu Strafanzeigen gegriffen und Staatsanwälte Hausdurchsuchungen durchgeführt haben, vom Pferdesportverband Rheinland einen Teil der Gelder zurück, die es für den Bau der neuen Landes- Reit- und Fahrschule in Langenfeld gewährt hatte. Staatsanwaltschaft und Landesrechnungshof hatten herausgefunden, dass der Auftrag entgegen aller Vergaberichtlinien ohne ausreichende Ausschreibung und mit nachträglichen Verhandlungen einem Unternehmen "regelrecht zugeschanzt" worden war, das einem Vorstandsmitglied des Pferdesportverbandes Rheinland eng verbunden war, wie der Landesrechnungshofes in seinem Bericht unter Berufung auf staatsanwaltschaftliche Ermittlungen vermerkte.

Entgegen der üblichen Schweigetaktik hatte im Juni 2008 sogar einer der neuen Geschäftsführer des Verbandes, Ilja Wassenhoven, gegenüber der Westdeutschen Zeitung eingeräumt, beim Vergabeverfahren seien "Fehler gemacht worden". Gegenüber der "Pferderegion", die den Skandal in ihrer Berichterstattung öffentlich gemacht hatte, verweigert der Verband bis heute weitgehend jede Stellungnahme.

Aber nun, man kann natürlich auch andere fragen. Zum Beispiel die Landwirtschaftskammer in Bonn, die dem Bericht des Landesrechnungshofes zufolge ebenfalls eine nicht eben ruhmreiche Rolle bei der Überwachung der Ausschreibung gespielt hatte: Eigentlich nämlich gar keine, obwohl sie als Aufsichtsbehörde über die korrekte Verwendung der Gelder zu wachen gehabt hätte. Entsprechend wortkarg gibt man sich auf unsere Anfrage, welchen Stand das Rückforderungsverfahren denn derzeit habe: Da sei nichts bekannt, und man wisse auch nicht, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei.

Das erklärt möglicherweise, warum sich PSVR-Präsident Friedrich Witte üblicherweise locker gibt, wenn entgegen jeder Vorsicht die Sprache doch mal auf das Thema Vergabe- und Rückforderungsverfahren kommt. Man mache sich Hoffnungen, glimpflich aus dem Verfahren herauszukommen, ließ Witte die Kollegen der Rheinischen Post wissen. Es gäbe schließlich politische Signale, dass niemand an einer Pleite des PSVR interessiert sei.

Da werden die Teilnehmer der Mitgliederversammlung erleichtert aufgeatmet haben. Wenn sie denn überhaupt kritisch nachgefragt haben. Denn zumindest bei einer Umfrage der Pferderegion unter den Vorsitzenden der dem PSVR angeschlossenen Kreisverbände wagte es keiner, zu dem Vorgang Stellung zu nehmen (außer der Stellungnahme "wir sagen nichts").

Foto: PEMAG

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