Der Reitsport, die FN und die Zukunft

Gestern abend haben wir (die Journalistin Sylvia Theel und ich) über rund zweieinhalb Stunden mit einem Liveblog die FN-Veranstaltung zur "Zukunft des Reitsports" in Langenfeld begleitet. Die Kollegin saß bei Frankfurt, ich in Bonn vor dem PC, gemeinsam verfolgten wir den von CP Medien bereitgestellten Livestream der Veranstaltung und kommentierten laufend, was wir sahen und dazu dachten.

Und das war sicher nicht viel Vorteilhaftes bei dieser Veranstaltung, die schlicht nur alte Kamellen aufwärmte und bestenfalls durch einige – sagen wir: ungewöhnliche – Statements der Dressurreiterin Isabell Werth in Sachen Doping auffiel.

Es ist nicht ganz einfach, eine Veranstaltung zusammenzufassen, deren Inhalt gegen Null geht. Am auffallendsten ist eigentlich, dass deutsche Reitsport-Funktionäre erkennbar nicht gewillt sind, wirkliche Transparenz in diesen Sport einziehen zu lassen. Mit gewaltigen Wortblasen wird auf Veranstaltungen wie in Langenfeld darüber hinweggetäuscht, dass man sich im Grunde nur um eines Sorgen macht: Dass Dopingvorwürfe das Geschäft mit dem Pferd stören könnten.

Die Funktionäre haben es dabei relativ leicht. Denn eine kritische Berichterstattung zu Reitsportthemen findet nur selten statt – in der Regel ist die Verbindung von Journalisten, Funktionären und Aktiven so eng, dass man nicht einmal etwas daran findet, sich vor laufender Kamera zu dutzen und auf die Schultern zu schlagen.

Nun ist das Dutzen bei Sportjournalisten ja ohnehin so eine Krankheit. Aber gestern war es besonders schwer zu ertragen, denn Anlaß zu kritischen Fragen gibt es nicht erst seit den Geschehnissen um Marco Kutscher, die – wie so häufig – der SPIEGEL, und nicht eine Branchenzeitung publik gemacht hatte.

Der Journalist Gerd Lemke, der mit auf dem Podium in Langenfeld saß, wurde als "kritisch-positiver DPA-Journalist" angekündigt. Das mag sich erklären, wenn man sich die Berichterstattung der DPA ansieht, die deren Mitarbeiter Michael Rossmann abgeliefert hat (und die, wie üblich, bis hin zu den Überschriften von vielen Zeitungen unverändert übernommen wurde). In Rossmanns Beitrag steht zwar das Doping im Vordergrund, aber genau darüber haben die Funktionäre in Langenfeld weit weniger gerne gesprochen, als man es dem Bericht nach glauben könnte. Davon, die Diskutanten des gestrigen Abends hätten "Alarm geschlagen", kann nicht die Rede sein, wie auch unser Liveblog zeigt.

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