Die Welt der Reiterwelt

An einem Tag, an dem mich das Schlagwort „Change“ beständig begleitete, sass ich heute in den Büros der Firma „Reiterwelt“ in Forchheim und hörte mir an, wie deren Blick auf die Welt des Reitsports da draußen ist. In dieser Welt, so die Einschätzung aus Forchheim, können nur die Großen bestehen: Händler mit mehr als 350 Quadratmetern Verkaufsfläche, Premium-Lieferanten und starke Franchisegeber. Die „Kleinen“, da ist man sicher, werden untergehen.

Vielleicht ist es der Tag, vielleicht ist es aber auch nur die anschließende Fahrt durch all die kleinen Dörfer rund um das fränkische Forchheim, die einen diese Art zu denken plötzlich sehr alt und historisch erscheinen lässt: Die Großen schlucken die Kleinen, das war immer so und wird auch im Reitsport so sein.

Wirklich?

Seit einigen Jahren fahren wir immer weiter durch das Land und besuchen die kleinen und mittleren Reitsporthändler, die noch immer die eigentliche Basis des Reitsporthandels in diesem Land ausmachen. Es sind die Menschen, über die man bei der Reiterwelt die Achseln zuckt, weil man sie offensichtlich nicht einmal als Konkurrenz wirklich ernst nehmen möchte. Geschäfte, in denen häufig sieben Tage in der Woche gearbeitet wird, die sich auch für kleine Umsätze bei den Kunden bemühen und die sich mit einer Industrie herumschlagen, die sich über die Jahre lieber bequem auf die großen Fische im Teich eingerichtet hat.

Sie zu unterschätzen, geht schnell. Ihnen gegenüber das Nachsehen zu haben, auch.

Denn gerade in Zeiten der Krise gehörte das Feld noch immer denen, die am beweglichsten sind. Von Ledersesseln oberer Etagen aus gesehen ist die Welt der Reiterei vielleicht eine homogene – von der Ladentheke aus gesehen, nicht. Genau das haben die Händler, über die in Forchheim gelächelt wird, häufig gut verstanden. Denn an der Ladentheke stehen sie ihren Kunden auch jeden Tag auf Augenhöhe gegenüber.

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