Eine Bombe platzt (28. Mai 2009)

In Sachen Zynismus kann man vom Schicksal bekanntlich viel lernen und heute war so ein Tag, an dem einem solche Sätze nicht aus dem Kopf gehen.

Am 13. Mai saßen die Kollegin Sylvia Theel (die gerade das Wiesbadener Pfingstturnier beobachtet) und ich jeweils vor einem Bildschirm und kommentierten eine FN-Veranstaltung in Langenfeld, bei der es um die Zukunft des Reitsports ging gehen sollte. Und wir waren uns einig: Das, was Funktionäre wie Ex-FN-Chef Manfred Haring dort öffentlich erklärten, war das Gegenteil von offener Aufklärung, Selbstkritik oder Aufbruch zu neuen Ufern. Im Grunde war deutlich fühlbar: Hier geht etwas zu Ende.

Kurz vor Ende der Veranstaltung war es dann die Dressur-Queen Isabell Werth, die mit einigen zornigen Sätzen eine Lunte legte: Die Medikation von Turnierpferden sei zuersteinmal Privatsache und gehe niemanden was an, verkündete Werth den überraschten Zuhörern – und niemand vermochte den Redefluß der zornigen Reiterin zu stoppen. Ihr Kollege Ludger Beerbaum legte wenige Tage später nach: Er habe schon immer ausgereizt, was faktisch machbar gewesen sei.

Und so glimmte die Lunte bis zum heutigen Tag – und erreichte am Nachmittag des heutigen Tages die Bombe, die tief unter den Sesseln der Funktionäre und Spitzenreiter begraben war. Nationalkader weg, Beerbaum zunächst für alles gesperrt, Manfred Haring von der FEI gefeuert. Man kann sich vorstellen, welche Farbe der Himmel heute in Warendorf hatte.

Man kann sich allerdings auch vorstellen, dass die Verlautbarungen der FN, man habe nun endlich handeln müssen, deutlich mehr nach Eigeninitiative klingen, als wirklich drin ist. Denn dem aufmerksamen Beobachter dürfte kaum entgangen sein, dass die eigentliche Bombe bereits einen Tag zuvor explodierte: Am Mittwoch nämlich setzten die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF wegen der Doping-Diskussionen die Verhandlungen über die TV-Verträge in Sachen Reitsport aus. Kein Fernsehen, keine Sponsoren, wie die Financial Times zutreffend bemerkte.

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