Von gelungener Kommunikation

[Update: Beachten Sie bitte hierzu auch den Folgebeitrag: "Hundeprofi Martin Rütter scheitert in Gemeinschaftsunternehmen mit der Fressnapf"]

Wir haben heute zwei Beispiele gelungener Kommunikation erlebt, die schon deshalb erwähnenswert sind, weil sie in dieser Form so selten vorkommen.

Von schlechten Presseerklärungen und wie man sie rettet

Die Wichert GmbH, die in der Branche unter ihrer Marke "Kräuterwiese" bekannt ist, ließ uns gestern eine Pressemitteilung zukommen, die alles vermissen ließ, was man von einer guten Presseerklärung erwarten muss. Kein echtes Thema, keine Nachricht, praktisch keine Sachinformation und dazu ein Anschreiben, das ebenfalls keines war.

Im Grunde ein Fall für die Löschtaste, denn es gibt keinen Grund, schlechte Pressemitteilungen zu entschuldigen oder zu akzeptieren. Ihre Absender beanspruchen Resourcen, die sie nicht bezahlen möchten und sie wünschen sich Aufmerksamkeit von Menschen, denen sie ein Angebot machen möchten. Trotzdem treffen hier jeden Tag solche Mitteilungen verschiedenster Firmen ein, die im Grunde nur eines zeigen: Dass die Absender sich nicht dafür interessieren, ob sie wirklich ein interessantes Angebot vorzuweisen haben. Man hätte das gerne gedruckt und fertig.

Wo immer so was funktionieren mag: Hier nicht. Deshalb hat Kräuterwiese seine Presseerklärung auch direkt zurückbekommen, verbunden mit einer durchaus provokativen Antwort:

Wie sollen wir als Zeitung eine solche Meldung berücksichtigen, wenn nicht ein Mindestmaß an Information darin steckt? "Futtersponsoring für deutschen Reitsport"? Wir haben eben mal bei den Nachbarn gefragt, da ist bis heute nichts angekommen.

Im Ernst: haben Sie es nicht etwas genauer? Wer wird gesponsert? Womit genau? Wie lange? Weshalb gerade er?

Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Unternehmen auf solche Rückfragen entweder gar nicht, oder in höchstem Maße verärgert reagieren (den bisherigen humoristischen Höhepunkt in dieser Hinsicht setzte letztes Jahr die BESW Hufakademie in Tuntenhausen, die unter eine zur Veröffentlichung gedachte Presseerklärung den Belehrung setzte, es sei "nicht erlaubt, diese Nachricht zu kopieren oder Dritten zugänglich zu machen" und auf einen Hinweis mit Beschimpfung reagierte. Aber ich schweife ab).

Kräuterwiese jedenfalls machte diesen Fehler nicht. Im Gegenteil: Keine 24 Stunden später reagierte die Chefin persönlich und lieferte eine klare Antwort auf unsere Fragen. Kein falsches Beleidigtsein, keine Gegenprovokation, sondern direkte Kommunikation und genau die Sachinformation, nach der gefragt wurde. Am Schluß: "Wir beantworten auch gern noch weitere Fragen". Mit einer E-Mail hat Annette Wichert damit vielen ihrer Wettbewerber vorgemacht, wie es geht.

Der Meister selbst ist am Telefon

So hatte ich gestern einen Logbuch-Eintrag überschrieben, der sich mit dem Hundetrainer Martin Rütter beschäftigt und auf diverse mißglückte Versuche in den letzten Monaten anspielte, einen Interview-Termin mit Rütter zu bekommen. Eine an sein Büro gestellte Frage zu zwei von Rütter betrieben Firmen löste einen direkten Anruf bei uns aus und bei uns entstand der Eindruck, das habe direkt mit dieser Frage zu tun:

Zu meiner Überraschung meldete sich Rütter vor zwei Stunden telefonisch bei uns im Büro, nachdem ich seiner Assistentin am Wochenende eine E-Mail geschickt und um Auskunft über zwei Firmen gebeten hatte, in denen Rütter als Geschäftsführer verzeichnet wird.

Dass ich den Vorgang in einem Beitrag festgehalten habe, hat Martin Rütter nicht gefallen. Aber anstatt das bereits zugesagte persönliche Treffen beleidigt platzen zu lassen, griff er erneut zum Handy. In dem zweiten Telefonat hat er durchaus klar formuliert, was ihn stört – und dass er dennoch gerne für ein längeres Gespräch zur Verfügung stehen möchte. Das ist für einen Menschen, der sich in vielerlei Hinsicht um Öffentlichkeit nicht sorgen muss, durchaus nicht selbstverständlich und hinterläßt schon mal den Eindruck, dass es mit der verkündeten Transparenz auch ernst gemeint ist.

Bei zwei positiven Beispielen an einem Tag fallen natürlich die zum Alltag gehörenden Kommunikationsversager um so deutlicher auf: Diesen Pokal hat sich gerade der Pressesprecher des nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministeriums abgeholt, der unsere Fragen zum Vergabeskandal sehr konkret nicht beantwortet hat. Aber das ist eine eigene Geschichte.

GEOPRESS_LOCATION(Bonn, Deutschland)

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