Was Reitplätze plötzlich spannend macht

Ein Informant berichtet von einem Sachverhalt, der in den nächsten Wochen spannend werden könnte. Angeblich hat ein größerer Reitsport-Verband mit öffentlichen Mitteln einen Reitplatz gebaut, der sich nun zur Tretmine für Architekten und Betreiber entwickeln könnte: Denn er wurde, mutmaßlich wider besseres Wissen, ohne Berücksichtigung der geltenden Vorschriften gebaut, wie der beauftragte Architekt jetzt eingestehen musste.

Auf den ersten Blick müsste sowas eigentlich nur den Eigentümer interessieren, der den Bau finanziert hat. Denn entspricht der Platz beispielsweise nicht den geltenden Vorschriften des Abwasserrechtes, ist er nicht genehmigungsfähig und damit rechtswidrig. Auf den Eigentümer könnte eine teure Nachbesserung oder der Abriss zukommen.

Auf den zweiten Blick müsste das Thema allerdings auch jeden interessieren, der auf diesem Platz reiten geht. Denn bei nicht genehmigten oder nicht genehmigungsfähigen Reitplätzen stellen sich bisweilen nachhaltige Haftungsfragen, wenn es auf ihnen zu Unfällen kommt. Die Standards, wie sie beispielsweise (und hauptsächlich) das entsprechende Weißbuch der FFL in Bonn regelt, dienen unter anderem natürlich auch dem Schutz vor solchen Unfällen und befassen sich daher ausführlich mit Dingen wie Tret- und Trennschicht oder der Eindringtiefe in sandige Böden.

Führt ein schlecht gebauter Reitplatz zu einem Unfall, ist schnell der Betreiber in der Haftung, auch wenn er von den fraglichen Punkten nichts wusste. Da kann es schnell eng werden, insbesondere, wenn anschließend auch Versicherungen Regressansprüche anmelden, weil der Eigentümer einen nicht genehmigungsfähigen Reitplatz betrieben hat. Am Ende dieser Kette kann dann durchaus auch der planende Architekt stehen, der letztlich für die Ausführung nach Stand der Technik zu haften hat.

Im vorliegenden Fall klingt es so, als müsse der Architekt besser schon mal die Nummer seiner Berufshaftpflichtversicherung heraussuchen. Zwar beklagt er, der Bauherr habe ihn nicht auf die erforderlichen Vorschriften des Abwasserrechts hingewiesen, aber helfen wird ihm das nichts. Genausowenig wie den vielen Privat- und Berufsreitern, die diesen Platz im Westfälischen zur Zeit noch benutzen. Wenn die laufenden Recherchen unserer Zeitung ergeben sollten, dass der mit öffentlichen Mitteln gebaute Platz nicht dem geltenden Recht entspricht und damit gar nicht genehmigungsfähig ist, wäre damit dann allerdings wohl Schluß.

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