Archiv der Kategorie: Der große Sport

Protestwelle gegen "Progressive List" der FEI im Internet

No FEI! Not this way! - Nein FEI! – So nicht!!_1258975706292

Das Entsetzen über die in Kopenhagen von der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) verabschiedete "Progessive List", die das Doping im Reitsport in weiten Teilen legalisieren soll, wächst von Tag zu Tag. Im Internet ist seit gestern eine Petition freigeschaltet, in der die Unterzeichner die FEI auffordern, die den Deligierten in Kopenhagen untergeschobene Liste wieder zurückzunehmen. Unter der Domain www.no-fei.com kann sich jedermann mit seinem Namen unter die Petition eintragen.

Der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Breidow Graf zu Rantzau, hat mittlerweile offen ausgesprochen, dass es innerhalb der FEI zu einer Abspaltung insbesondere der europäischen Nationen kommen könne, die sich in einem eigenen Verband organisieren und durchweg ihren Protest gegen die in Kopenhagen verabschiedete "Progressive Liste" deutlich gemacht haben.

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LVM will Sponsoring-Vertrag mit Kittel lösen

bluetongue50b625fda6 Ein Pressesprecher der LVM bestätigte der Zeitung "Die Pferderegion" auf Anfrage, dass man durch zahlreiche Zuschriften verärgerter Reiter vom dem Video erfahren habe, dass seit vergangenen Woche in Reiterkreisen heftig diskutiert wird. Reporter des dänischen Senders EPONA TV hatten Kittel während der Vorbereitungen zum Dressur World Cup in Dänemark gefilmt und die Aufnahmen ins Internet gestellt.

In dem Film ist zu sehen, wie Kittel sein Pferd "Scandic" über so lange Zeit "rollkurt", bis dem Tier eine blau angelaufene Zunge aus dem Maul hängt. Insgesamt, so die Kollegen von EPONA TV, habe Kittel das Tier auf diese Art über gut zwei Stunden geritten. In dieser Zeit war er offensichtlich auch von vielen Zuschauern bemerkt worden, von denen aber niemand eingriff.

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Der PSVR und die öffentlichen Gelder

Vorstand PSVR (Small) In Langenfeld hat vorgestern der rheinische Pferdesportverband die turnusmäßige, ordentliche Mitgliederversammlung durchgezogen und dabei nicht nur den bisherigen Vorstand entlastet, sondern auch neu im Amt bestätigt. Das wäre außer der verbandseigenen Postille vermutlich keinem eine Schlagzeile wert, wenn es nicht eigentlich erstaunlich wäre: Denn der Vorstand um den alten und neuen Präsidenten Friedrich Witte sitzt noch immer auf einer (mittlerweile immerhin geschrumpften) Bombe in Form einer Rückzahlungsforderung des Landes NRW.

Das möchte, nachdem der Landesrechnungshof bereits zu Strafanzeigen gegriffen und Staatsanwälte Hausdurchsuchungen durchgeführt haben, vom Pferdesportverband Rheinland einen Teil der Gelder zurück, die es für den Bau der neuen Landes- Reit- und Fahrschule in Langenfeld gewährt hatte. Staatsanwaltschaft und Landesrechnungshof hatten herausgefunden, dass der Auftrag entgegen aller Vergaberichtlinien ohne ausreichende Ausschreibung und mit nachträglichen Verhandlungen einem Unternehmen "regelrecht zugeschanzt" worden war, das einem Vorstandsmitglied des Pferdesportverbandes Rheinland eng verbunden war, wie der Landesrechnungshofes in seinem Bericht unter Berufung auf staatsanwaltschaftliche Ermittlungen vermerkte.

Entgegen der üblichen Schweigetaktik hatte im Juni 2008 sogar einer der neuen Geschäftsführer des Verbandes, Ilja Wassenhoven, gegenüber der Westdeutschen Zeitung eingeräumt, beim Vergabeverfahren seien "Fehler gemacht worden". Gegenüber der "Pferderegion", die den Skandal in ihrer Berichterstattung öffentlich gemacht hatte, verweigert der Verband bis heute weitgehend jede Stellungnahme.

Aber nun, man kann natürlich auch andere fragen. Zum Beispiel die Landwirtschaftskammer in Bonn, die dem Bericht des Landesrechnungshofes zufolge ebenfalls eine nicht eben ruhmreiche Rolle bei der Überwachung der Ausschreibung gespielt hatte: Eigentlich nämlich gar keine, obwohl sie als Aufsichtsbehörde über die korrekte Verwendung der Gelder zu wachen gehabt hätte. Entsprechend wortkarg gibt man sich auf unsere Anfrage, welchen Stand das Rückforderungsverfahren denn derzeit habe: Da sei nichts bekannt, und man wisse auch nicht, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei.

Das erklärt möglicherweise, warum sich PSVR-Präsident Friedrich Witte üblicherweise locker gibt, wenn entgegen jeder Vorsicht die Sprache doch mal auf das Thema Vergabe- und Rückforderungsverfahren kommt. Man mache sich Hoffnungen, glimpflich aus dem Verfahren herauszukommen, ließ Witte die Kollegen der Rheinischen Post wissen. Es gäbe schließlich politische Signale, dass niemand an einer Pleite des PSVR interessiert sei.

Da werden die Teilnehmer der Mitgliederversammlung erleichtert aufgeatmet haben. Wenn sie denn überhaupt kritisch nachgefragt haben. Denn zumindest bei einer Umfrage der Pferderegion unter den Vorsitzenden der dem PSVR angeschlossenen Kreisverbände wagte es keiner, zu dem Vorgang Stellung zu nehmen (außer der Stellungnahme "wir sagen nichts").

Foto: PEMAG

Ventipulmin als Dopingmittel im Breitensport

Der Bundestags-Sportausschuß hat sich in seiner 76. Sitzung am 27. Mai mit Doping im Freizeit- und Breitensport beschäftigt. Und aus den Antworten der vom Ausschuss angehörten Experten lassen sich interessante Dinge herauslesen. Vorwiegend dürften sich Fragen und Antworten naturgemäß um das Humandoping gedreht haben, selbst dann, wenn es um Veterinärpräparate drehte, die vermutlich jeder Pferdebesitzer kennt.

So verweist der Sachverständige Mischa Kläber von der Technischen Universität Darmstadt in seiner Stellungnahme (PDF) zum Beispiel mehrfach und ausführlich auf das Medikament "Ventipulmin", das bei Pferden zu Bekämpfung asthmatischer Anfälle eingesetzt wird – aber auch bei Schweinen, um deren Fleich magerer zu machen. Nach Erkenntnissen von Kläber wird das Clenbuterolpräparat streckenweise auch von Freizeit- oder Breitensportlern zur Leistungssteigerung eingenommen, weil es leichter zu bekommen sei, als entsprechende Humanpräparate. Zu Recht weißt Kläber darauf hin, dass solche Mittel unter anderem in vielen Pferdeställen offen zugänglich seien und ihr Verschwinden meistens keinen besonderen Verdacht auslöst.

Die Stellungnahmen der Experten zeigen, wie verbreitet offensichtlich die "Zweckentfremdung" auch von Veterinärpräparaten ist und welche Netzwerke sich inzwischen gebildet haben, um die Beschaffung solcher Medikamente zu organisieren. Im Ergebnis ließ die Anhörung ahnen, dass Doping im Spitzensport zwar spezieller, aber nicht zwangsläufig konsequenter organisiert ist, als im Freizeit- und Breitensport.

Einen ausführlicheren Bericht zu der Sitzung, in dem auch die konkreten Fragen an die Experten samt derer Antworten zu finden sind, finden Sie im Weblog von Jens Weinreich.

Das Doping und der Generalsekretär

In Wiesbaden liefen die Wettbewerbe in Sachen "Vermeidungsstrategien" und viele deutsche Reiter und Funktionäre, aber auch Fernsehreporter beteiligten sich daran.

Aber zunächst mal tauchte einer auf, der in den Tagen des größten Trubels nicht sichtbar war: der neue Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Sönke Lauterbach. Wen immer es auch in Sachen Doping gerade mitten ins Gesicht traf, zum Beispiel den ehemaligen Vorzeige-Springreiter Ludger Beerbaum oder Ex-FN-Präsident Hanfried Haring, Lauterbach war nicht zu sehen. In der Öffentlichkeit äußerten sich Trainer, Reiter, Kaderfunktionäre oder vor allem viele "Ex-" und "Ehemalige", nur Lauterbach schaffte es wundersam, seinen Namen aus den beeindruckend angeschwollenen Presseclippings herauszuhalten. Auch das eine Leistung, irgendwie.

Dafür meldete sich Lauterbach nun im Rahmen der letzten Wiesbaden-Prüfungen zurück, um Hanfried Haring zur Seite zu springen: Den hatte die Internationale Reiterliche Vereinigung FEI zunächst suspendiert, weil man ihm seine Unwissenheit in Sachen Doping nicht recht glauben mochte. Das sei "nicht nachvollziehbar", beschwerte sich Lauterbach, konnte zur Begründung allerdings auch nur darauf verweisen, den Ehemann von FEI-Präsidentin Haya, Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, habe man in Sachen Doping zurückhaltender angegangen.

Während Lauterbach also munter offenen Streit mit der FEI vom Zaune bricht, rudert Dressur-Königin Isabell Werth bereits wieder zurück: Sie habe sich nie gegen ein Medikamenten-Buch ausgesprochen, ließ sie verkünden, wolle ansonsten in der "emotionalen Lage" dieser Tage hierzu keine Stellungnahme mehr abgeben. ‚Vielleicht auch besser so‘, mag sich der ein oder andere Funktionär gedacht haben, dem Werth mit ihrem unglücklichen – und live übertragenen – Auftritt auf der Veranstaltung "Quo vadis, Reitsport" in Langenfeld übel in die Parade fuhr.