Archive for the ‘Menschen und Medien’ Category

Can anyone hear me?

Der immer noch in Moskau festsitzende Edward Snowden hat den 36c3 für ein paar eindringliche Worte an seine eigene Generation genutzt. Mit ein paar Sätzen aus seinem sehr lesenswerten Buch „Permanent Record“ umriss er die Entwicklung des Internets von einem Community-Tool hin zu einem durch von Kommerzialisierung und Überwachung geprägten Netz der Konzerne und Regierungen. Das, so Snowden, hätten wir alle uns durch tatenloses Zusehen selbst eingebrockt.

Aber diese Entwicklung sei nicht unumkehrbar: Read On…

Worüber wir in den nächsten Monaten noch häufig sprechen werden

Der letztjährige Chaos Communication Congress (36c3) wird in den nächsten Wochen noch für etliche Beiträge hier gut sein, weil sich die besprochenen Themen vorhersehbar aktualisieren werden. Hier heute nur drei Highlights unter wirklich sehr, sehr vielen:

Wer gesetzlich versichert ist (und das sind rund 73.000 Millionen Menschen in diesem Land) darf durchaus schon mal Angst vor der elektronischen Patientenakte haben, wie der Vortrag von Martin Tschirsich, Christian Brodowski und André Zilch zeigte. Die von den Planern angelegte Sicherheit liegt in etwa auf dem Standard einer E-Mail, eines Telefaxschreibens oder eines Rezepts. Wenn Ihr also ab 2021 zufällig mehr medizinische Details über Ihren Nachbarn oder die Arbeitskollegin erfahren, könnt Ihr sicher sein: denen wird es genauso gehen. Read On…

EuGH: Facebook muss Beleidigungen löschen

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass Online-Dienste wie Facebook dazu verpflichtet werden können, bei einer rechtswidrigen Beleidigung nach weiteren wortgleichen oder ähnlichen Äußerungen zu suchen und diese zu löschen.

Voraussetzung soll sein, dass die Beleidigungen automatisiert gefunden werden können und ein entsprechendes Urteil vorliegt, dass die Rechtswidrigkeit der angegriffenen Beiträge bestätigt. Das klingt einfach, dürfte es in der Praxis aber in vielen Fällen nicht sein: Allein die Voraussetzung, dass ein entsprechendes Urteil zuvor die Rechtswidrigkeit festzustellen hat, ist in der Praxis ein großes Problem für Betroffene, die sich aufwändige Verfahren nicht leisten können.

Die automatisierte Suche nach Beleidigungen dürfte zudem das Risiko von Fehlentscheidungen erhöhen. So könnten auch Beiträge von Löschungen oder Sperrungen betroffen sein, die gar nicht zum konkreten Fall passen.

Am Ende bist du immer alleine, auch in der Reiterei

„Reiten als Einnahmequelle“ steht seit vielen Jahren immer wieder über Artikeln und Berichten. Meistens haben sie damit zu tun, dass irgendwer „entdeckt“ hat, man könne zum Beispiel mit dem Umbau von Bauern- zu Reiterhöfen neue Existenzen schaffen, touristische Goldgruben ausheben oder einfach die Welt verändern. Das ähnelt den noch immer anzutreffenden Berichten, das Internet werde übrigens demnächst unsere Welt verändern.

Aber „Irgendwer“ hat da was nicht mitbekommen: Der Zug ist längst abgefahren.

Denn die Transformation von landwirtschaftlichen Betrieben hat schon vor langer Zeit begonnen. Und die Erwartungen haben sich keineswegs für alle erfüllt. Ich habe ziemlich häufig Anrufe von Menschen, die hoffnungsvoll in diese angeblich neue Zukunft gestartet, und dann zwischen Bürokratie und Wirtschaftsplan gescheitert sind. Meistens werden das Akten, in denen viel von Träumen und noch viel mehr von wirtschaftlichen Realitäten zu lesen ist. Und von Menschen, die darum kämpfen, überhaupt nochmal ein Bein an die Erde zu bekommen.

Als „Einnahmequelle“ ist die Reiterei eine ziemlich komplizierte Sache und funktioniert häufig nur, wenn Familien- und Bekanntenkreis umfangreich für kostenfreie Unterstützung ausgenutzt wird. Und oft funktioniert es überhaupt nur ein paar Jahre, bis die Reserven aufgebraucht sind und der Hof – wieder mal – den Pächter wechselt.

Jeder in der Branche weiß das, eigentlich. Ich behaupte: Vor allem auch die Berater, die aus der Sicherheit angestellter Jobs bei Landwirtschaftskammern oder Verbänden noch immer erzählen, das sei eine einfache und gute Sache. Geritten wird ja immer. Obwohl in diesem Land Pferdehöfe nicht selten sind.

Das gleiche gilt für den Handel: Auch dort wird nach meiner persönlichen Erfahrung die Spanne zwischen fröhlicher Eröffnung und desaströser Schließung immer kürzer. Ich kann das statistisch nicht belegen – aber ich schließe aus der Zahl von Inkassoakten, die hier über meinen Schreibtisch gehen.

Es steht selten in der Presse, wenn wieder mal ein Betrieb oder ein Laden die Pforten schließt. Am Ende bist Du immer alleine, auch in der Reiterei.

http://www.fuldaerzeitung.de/nachrichten/huenfeld/Huenfeld-Reiten-als-Einnahmequelle-fuer-den-Kiebitzgrund;art17,675755

Starcke Leistung für das Tierheim

starckMichael Starck ist ein ziemlich cooler Typ. Wie Ingenieure häufig so sind, macht er nicht viele Worte, trägt schlichte Jacken ohne Firmenlogo und ist sichtlich stolz auf seine Arbeit. Und das als Chef einer Firma mit 400 Mitarbeitern und 52 Millionen Umsatz.

So zurückhaltend stand er heute auch dabei, als der WDR seinen – im Ergebnis ziemlich knappen – Bericht über das wahr gewordene Wintermärchen im Tierheim Troisdorf drehte. Ins Bild wollte er nicht so recht, Statement sollte auch lieber ich aufsagen, Firmenlogo und Details seien nicht so wichtig. Währenddessen schraubte gerade einer seiner Techniker die hochmoderne Brennwertheizung an die Wand und die Dachdecker rüsteten den Schornstein für die Bedürfnisse energieeffizienter Gasverbrennung auf – wie so vieles in den letzten zwei Tagen auf alleinige Kosten der Unternehmensgruppe Dr. Starck.

Wir hatten danach nicht fragen müssen. Ingenieurdenke: Wenn der Schornstein für eine moderne Heizung nicht mehr gut genug ist, wird er neugemacht. Wenn die Heizung mit modernen Reglern weniger Energie verbraucht, kommen die dran. Starck sieht nicht aus wie einer, der mit Geld rumprollt, eher wie einer, der rechnen kann. Und in Troisdorf hat er gerade gezeigt, dass ihm Kosten egal sein können, wenn er dafür geradesteht und sie mit Blick auf das Ergebnis für sinnvoll hält.

Auf einen Kaffee war Starck nach dem Drehtermin noch bei uns oben, erzählte gut gelaunt, sie hätten zwei Meerschweinchen zu Hause und der eigentliche Tierfan sei seine Cousine Nicola Müller-Starck, die neben ihm das Unternehmen leitet. Nicht mal eine Facebook-Seite habe das Unternehmen, deshalb gehe der Rummel und die große Begeisterung für die Spende der Heizung ein wenig an ihnen vorbei.

Im WDR-Bericht hieß es kurz und knapp, das Tierheim habe nun wieder eine Heizung, alle seien zufrieden und glücklich. Jepp, kann man sagen. Unser momentanes Hundehaus hat wieder eine Heizung, und das neue Hundehaus, auf das wir für 2014 alle hoffen, hat mit dieser Heizung schon ein halbes Fundament. Und deshalb wird der Satz, den ich heute im WDR nicht sagen durfte, im Troisdorfer Tierheim noch öfter zu hören sein: „Das war eine starcke Leistung“.

Vielen, vielen Dank dafür.

http://www.dr-starck.de/pages/unternehmensgruppe.php

Kein Verkaufsstopp für Heuschmann-DVD

stimmenderpferdedvdDie vom Wu-Wei-Verlag herausgegebene DVD "Stimmen der Pferde", die auf einem Buch des Mediziners Gerd Heuschmann fusst, darf sowohl in Deutschland wie auch in Österreich weiterhin verkauft werden. Anderslautende Meldungen, die auch vom Wu-Wei-Verlag selbst veröffentlicht wurden, haben sich nach Recherchen der Zeitung "Die Pferderegion" als falsch herausgestellt.

Auf den Verlagsseiten des Wu-Wei-Verlages sowie im Gästebuch von Gerd Heuschmann waren Meldungen veröffentlicht worden, die umstrittene DVD dürfte nur noch bis zum 19. Juni verkauft werden, danach sei der Vertrieb durch eine gerichtliche Verfügung untersagt.

Die Verlegerin Isabella Sonntag hatte hierzu am 26. Mai im Gästebuch von Heuschmann ausgeführt, der Verlag dürfe die DVD ab sofort nicht mehr ausliefern. Kurz darauf korrigierte sie diese Darstellung dahingehend, der Vertrieb sei noch bis zum 19. Juni möglich. Diese Ankündigung führte zu umfangreichen Diskussionen und Solidaritätsbekundungen, außerdem wurde die Meldung von Zeitungen wie der "Reiter Revue" übernommen. Im Gästebuch von Gerd Heuschmann wurde gar von Lesern zu einem Solidaritätsritt aufgerufen, dessen Einnahmen dem Wu-Wei-Verlag zu Gute kommen sollten.

Tatsächlich kann aber derzeit von einem aktuellen oder zukünftigen Verkaufsverbot für "Stimmen der Pferde" keine Rede sein, wie Recherchen der Pferderegion jetzt zeigten.

Zwar wurde der Wu-Wei-Verlag von einer Österreichischen Dressurreiterin, deren Pferd in einigen Szenen des Films zu sehen ist, auf Unterlassung und Widerruf in Anspruch genommen – aber außer einer Klage und einem Antrag auf einstweilige Verfügung ist in der Sache bislang nichts geschehen.

Ob das zuständige Landesgericht in Steyr (Österreich) überhaupt eine einstweilige Verfügung erlassen wird, ist ungewiss. Bislang ist der Wu-Wei-verlag lediglich aufgefordert, sich in der Sache zu äußern. Die Verlegerin Isabelle Sonntag hat angekündigt, sich gegen die Klage wehren zu wollen und bereits einen Rechtsanwalt in Österreich beauftragt. Im Gespräch mit der "Pferderegion" zeigte sich Sonntag siegessicher, was ein späteres Verfahren anging.

Erst nach Abschluß eines solchen Verfahrens wäre sicher, ob die DVD noch verkauft werden darf oder nicht. Dem Verlag stünde es davon abgesehen jederzeit frei, die umstrittenen Szenen aus der DVD zu entfernen. Von einem Verkaufsverbot wäre möglicherweise auch der Handel betroffen, wenn der Wu-Wei-Verlag per Gerichtsentscheid gezwungen würde, bereits ausgelieferte DVDs wieder zurückzurufen.

Auf ihrer Website korrigierte die Verlegerin Isabella Sonntag nach den Recherchen und einem Gespräch mit der Pferderegion ihre bisherige Darstellung sofort, verkündet dort jetzt aber, der Verkauf der DVD sei "nur noch auf unbestimmte Zeit erhältlich" – was naturgemäß für so ziemlich jede DVD gelten dürfte.