Archiv der Kategorie: Menschen und Medien

Am Ende bist du immer alleine, auch in der Reiterei

„Reiten als Einnahmequelle“ steht seit vielen Jahren immer wieder über Artikeln und Berichten. Meistens haben sie damit zu tun, dass irgendwer „entdeckt“ hat, man könne zum Beispiel mit dem Umbau von Bauern- zu Reiterhöfen neue Existenzen schaffen, touristische Goldgruben ausheben oder einfach die Welt verändern. Das ähnelt den noch immer anzutreffenden Berichten, das Internet werde übrigens demnächst unsere Welt verändern.

Aber „Irgendwer“ hat da was nicht mitbekommen: Der Zug ist längst abgefahren.

Denn die Transformation von landwirtschaftlichen Betrieben hat schon vor langer Zeit begonnen. Und die Erwartungen haben sich keineswegs für alle erfüllt. Ich habe ziemlich häufig Anrufe von Menschen, die hoffnungsvoll in diese angeblich neue Zukunft gestartet, und dann zwischen Bürokratie und Wirtschaftsplan gescheitert sind. Meistens werden das Akten, in denen viel von Träumen und noch viel mehr von wirtschaftlichen Realitäten zu lesen ist. Und von Menschen, die darum kämpfen, überhaupt nochmal ein Bein an die Erde zu bekommen.

Als „Einnahmequelle“ ist die Reiterei eine ziemlich komplizierte Sache und funktioniert häufig nur, wenn Familien- und Bekanntenkreis umfangreich für kostenfreie Unterstützung ausgenutzt wird. Und oft funktioniert es überhaupt nur ein paar Jahre, bis die Reserven aufgebraucht sind und der Hof – wieder mal – den Pächter wechselt.

Jeder in der Branche weiß das, eigentlich. Ich behaupte: Vor allem auch die Berater, die aus der Sicherheit angestellter Jobs bei Landwirtschaftskammern oder Verbänden noch immer erzählen, das sei eine einfache und gute Sache. Geritten wird ja immer. Obwohl in diesem Land Pferdehöfe nicht selten sind.

Das gleiche gilt für den Handel: Auch dort wird nach meiner persönlichen Erfahrung die Spanne zwischen fröhlicher Eröffnung und desaströser Schließung immer kürzer. Ich kann das statistisch nicht belegen – aber ich schließe aus der Zahl von Inkassoakten, die hier über meinen Schreibtisch gehen.

Es steht selten in der Presse, wenn wieder mal ein Betrieb oder ein Laden die Pforten schließt. Am Ende bist Du immer alleine, auch in der Reiterei.

http://www.fuldaerzeitung.de/nachrichten/huenfeld/Huenfeld-Reiten-als-Einnahmequelle-fuer-den-Kiebitzgrund;art17,675755

Starcke Leistung für das Tierheim

starckMichael Starck ist ein ziemlich cooler Typ. Wie Ingenieure häufig so sind, macht er nicht viele Worte, trägt schlichte Jacken ohne Firmenlogo und ist sichtlich stolz auf seine Arbeit. Und das als Chef einer Firma mit 400 Mitarbeitern und 52 Millionen Umsatz.

So zurückhaltend stand er heute auch dabei, als der WDR seinen – im Ergebnis ziemlich knappen – Bericht über das wahr gewordene Wintermärchen im Tierheim Troisdorf drehte. Ins Bild wollte er nicht so recht, Statement sollte auch lieber ich aufsagen, Firmenlogo und Details seien nicht so wichtig. Währenddessen schraubte gerade einer seiner Techniker die hochmoderne Brennwertheizung an die Wand und die Dachdecker rüsteten den Schornstein für die Bedürfnisse energieeffizienter Gasverbrennung auf – wie so vieles in den letzten zwei Tagen auf alleinige Kosten der Unternehmensgruppe Dr. Starck.

Wir hatten danach nicht fragen müssen. Ingenieurdenke: Wenn der Schornstein für eine moderne Heizung nicht mehr gut genug ist, wird er neugemacht. Wenn die Heizung mit modernen Reglern weniger Energie verbraucht, kommen die dran. Starck sieht nicht aus wie einer, der mit Geld rumprollt, eher wie einer, der rechnen kann. Und in Troisdorf hat er gerade gezeigt, dass ihm Kosten egal sein können, wenn er dafür geradesteht und sie mit Blick auf das Ergebnis für sinnvoll hält.

Auf einen Kaffee war Starck nach dem Drehtermin noch bei uns oben, erzählte gut gelaunt, sie hätten zwei Meerschweinchen zu Hause und der eigentliche Tierfan sei seine Cousine Nicola Müller-Starck, die neben ihm das Unternehmen leitet. Nicht mal eine Facebook-Seite habe das Unternehmen, deshalb gehe der Rummel und die große Begeisterung für die Spende der Heizung ein wenig an ihnen vorbei.

Im WDR-Bericht hieß es kurz und knapp, das Tierheim habe nun wieder eine Heizung, alle seien zufrieden und glücklich. Jepp, kann man sagen. Unser momentanes Hundehaus hat wieder eine Heizung, und das neue Hundehaus, auf das wir für 2014 alle hoffen, hat mit dieser Heizung schon ein halbes Fundament. Und deshalb wird der Satz, den ich heute im WDR nicht sagen durfte, im Troisdorfer Tierheim noch öfter zu hören sein: „Das war eine starcke Leistung“.

Vielen, vielen Dank dafür.

http://www.dr-starck.de/pages/unternehmensgruppe.php

Kein Verkaufsstopp für Heuschmann-DVD

stimmenderpferdedvdDie vom Wu-Wei-Verlag herausgegebene DVD "Stimmen der Pferde", die auf einem Buch des Mediziners Gerd Heuschmann fusst, darf sowohl in Deutschland wie auch in Österreich weiterhin verkauft werden. Anderslautende Meldungen, die auch vom Wu-Wei-Verlag selbst veröffentlicht wurden, haben sich nach Recherchen der Zeitung "Die Pferderegion" als falsch herausgestellt.

Auf den Verlagsseiten des Wu-Wei-Verlages sowie im Gästebuch von Gerd Heuschmann waren Meldungen veröffentlicht worden, die umstrittene DVD dürfte nur noch bis zum 19. Juni verkauft werden, danach sei der Vertrieb durch eine gerichtliche Verfügung untersagt.

Die Verlegerin Isabella Sonntag hatte hierzu am 26. Mai im Gästebuch von Heuschmann ausgeführt, der Verlag dürfe die DVD ab sofort nicht mehr ausliefern. Kurz darauf korrigierte sie diese Darstellung dahingehend, der Vertrieb sei noch bis zum 19. Juni möglich. Diese Ankündigung führte zu umfangreichen Diskussionen und Solidaritätsbekundungen, außerdem wurde die Meldung von Zeitungen wie der "Reiter Revue" übernommen. Im Gästebuch von Gerd Heuschmann wurde gar von Lesern zu einem Solidaritätsritt aufgerufen, dessen Einnahmen dem Wu-Wei-Verlag zu Gute kommen sollten.

Tatsächlich kann aber derzeit von einem aktuellen oder zukünftigen Verkaufsverbot für "Stimmen der Pferde" keine Rede sein, wie Recherchen der Pferderegion jetzt zeigten.

Zwar wurde der Wu-Wei-Verlag von einer Österreichischen Dressurreiterin, deren Pferd in einigen Szenen des Films zu sehen ist, auf Unterlassung und Widerruf in Anspruch genommen – aber außer einer Klage und einem Antrag auf einstweilige Verfügung ist in der Sache bislang nichts geschehen.

Ob das zuständige Landesgericht in Steyr (Österreich) überhaupt eine einstweilige Verfügung erlassen wird, ist ungewiss. Bislang ist der Wu-Wei-verlag lediglich aufgefordert, sich in der Sache zu äußern. Die Verlegerin Isabelle Sonntag hat angekündigt, sich gegen die Klage wehren zu wollen und bereits einen Rechtsanwalt in Österreich beauftragt. Im Gespräch mit der "Pferderegion" zeigte sich Sonntag siegessicher, was ein späteres Verfahren anging.

Erst nach Abschluß eines solchen Verfahrens wäre sicher, ob die DVD noch verkauft werden darf oder nicht. Dem Verlag stünde es davon abgesehen jederzeit frei, die umstrittenen Szenen aus der DVD zu entfernen. Von einem Verkaufsverbot wäre möglicherweise auch der Handel betroffen, wenn der Wu-Wei-Verlag per Gerichtsentscheid gezwungen würde, bereits ausgelieferte DVDs wieder zurückzurufen.

Auf ihrer Website korrigierte die Verlegerin Isabella Sonntag nach den Recherchen und einem Gespräch mit der Pferderegion ihre bisherige Darstellung sofort, verkündet dort jetzt aber, der Verkauf der DVD sei "nur noch auf unbestimmte Zeit erhältlich" – was naturgemäß für so ziemlich jede DVD gelten dürfte.

Drohungen vom Fachverlag [mit Update]

Es gibt viele Gründe, warum das Bedrohen von Journalisten eine ziemlich dumme Idee ist. Einer der wichtigsten ist sicher, dass man damit eine schlechte Kinderstube offenbart ein Signal setzt, dass mit der angefragten Geschichte offensichtlich ein wunder Punkt verbunden ist. Diese Erfahrung musste bei uns zuletzt der Bonner Hundetrainer Martin Rütter machen, der dem Kollegen Florian Ditges auf kritische Fragen hin einen längeren Anwaltsbrief schicken ließ. Die darauf folgenden Recherchen ergaben ein ziemlich ernüchterndes Bild von Rütters Franchise-System "DOGS" und der Firma "Mina Trading".

Der Verleger Thomas Sagkob hat sich gestern als ähnlich kluger Kommunikator gezeigt. Wir haben Sagkob einige Fragen zum Zusammenschluß der Zeitungen "Pferde Fahren Sport" und "Pferd & Wagen" gestellt, nachdem sich hier bisherige Abonnenten der Traditionszeitung "Pferde Fahren Sport" gemeldet hatten. Die sind über die Art und Weise, wie sie durch den Zusammenschluß der Zeitungen nun zu Abonnenten der "Pferd & Wagen" wurden verärgert und fragen sich, ob alles mit rechten Dingen zuging.

Genau das haben wir sowohl die bisherigen Herausgeber der "Pferde Fahren Sport", die Familie Lütz in Alfter bei Bonn, als auch den neuen Herausgeber, Thomas Sagkob gefragt. Der meldete sich gestern telefonisch und eröffnete das Gespräch erstmal mit einer Drohung: Wenn bei uns etwas zu diesem Thema erschiene, werde man uns mit einer "einstweiligen Verfügung" beglücken. Die konkreten Fragen, die wir zwei Wochen vorher per Fax übermittelt hatten, hatte er nach eigenem Bekunden zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gelesen.

Für uns erstmal ein klares Indiz, dass die Schilderungen verärgerter Zwangs-Abonnenten der "Pferd & Wagen" über ihre Erfahrungen mit dem Fachverlag Sagkob vielleicht nicht ganz abwegig sind.

Das gerade Verlage im Umgang mit Journalisten dünnhäutig sind, ist nicht selten. Das mag insbesondere im Pferdebereich daran liegen, dass dort nur selten Journalisten tätig sind – etwa ebenso selten wie es wirklich unabhängige Berichterstattung gibt. Für den Fachverlag Sagkob kann ich das bislang nicht beurteilen, aber zumindestens die Reaktion des Chefs läßt Schlimmes befürchten – der fragte nämlich auch nach, ob er denn einen Bericht wenigstens zuvor "vorgelegt" bekäme.

Die Antwort konnte er sich vermutlich aber schon denken.

[Update 2.4.2009: Der Fachverlag Sagkob hat uns nun doch eine Stellungnahme übermittelt. Über seinen Anwalt.]

"Es ist vorbei, und das ist auch gut so"

Der Sportjournalist Jens Weinreich hat seine Auseinandersetzung mit dem DFB und dessen Präsidenten Theo Zwanziger durch einen Vergleich beendet.

Ich habe mich an dem Spendenaufruf zugunsten von Weinreich beteiligt und auch selbst gespendet – und finde Weinreichs Entscheidung, die Streitigkeit nun nicht bis zum endgültigen juristischen Ende zu führen, sehr vernünftig. Zum einen kann man durchaus die Hoffnung haben, dass dem DFB ein deutliches Signal gesetzt wurde, zum anderen hatte die Auseinandersetzung nachvollziehbar auch permamenten Belastungen nicht finanzieller Art zur Folge. Jeder Freiberufler weiß, was das bedeutet.

Wir hatten juste auch in der April-Ausgabe der "Pferderegion" zu einer Spende für Weinreich aufgerufen, der die nicht verwendeten Spenden nun auf die Hartplatzhelden und den Journalistenverband Freischreiber verwenden will.

Finde ich gut. Danke, Jens Weinreich!

Machen Sie mit: Einen Zwanziger gegen Zwanziger!

Das hier hat nichts mit Pferden zu tun, dafür sehr viel mit Machtstrukturen im Sport und dem, was diese Machtstrukturen stört: Der Presse- und Meinungsfreiheit. Es geht um den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und den Schaden, den er gerade für diese Gesellschaft anrichtet – wenn Sie nicht helfen, ihn daran zu hindern.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) und sein Präsident Theo Zwanziger bemühen sich schon seit langer Zeit, den freien Sportjournalisten Jens Weinrich zu diskreditieren. Sie tun dies, nachdem mehrere Gerichte festgestellt haben, dass Weinreich den DFB-Präsidenten unter bestimmten Umständen zu Recht als "unglaublichen Demagogen" bezeichnen darf. Weinreich hatte dies im Juli 2008 in einem Kommentar im Weblog "Direkter Freistoß" getan, im Zusammenhang mit einem Auftritt des DFB-Präsidenten beim Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Seit diesem Kommentar bemühen sich Theo Zwanziger und der Deutsche Fußballbund aggressiv darum, Weinrich ihn juristisch zu bedrängen. Die komplette, in höchstem Maße beschämende Geschichte finden Sie in hunderten von Beiträgen im Internet, am übersichtlichsten aber zusammengestellt im Weblog von Jens Weinreich. Das Vorgehen von Theo Zwanziger wird – nicht nur in der deutschen Presse – mit fassungslosem Kopfschütteln und deutlichen Worten kommentiert, aber offensichtlich haben sich Zwanziger und der ihm ergebene Deutsche Fußballbund beschlossen, die Farce in jedem Fall zu einem für Weinreich schädlichen Ende zu bringen.

Es gibt mindestens einen wichtigen Grund, warum ihnen das besser nicht gelingen sollte: Der Schaden würde nicht nur für Weinreich, sondern für jeden von uns groß sein. Denn wenn es Menschen wie Zwanziger unter Ausnutzung der ihnen durch ein Amt zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gelingen würde, Urteile der Gerichte dadurch auszuhebeln, dass sie einfach den längeren finanziellen Atem haben – dann wird Meinungs- und Pressefreiheit plötzlich eine Frage des Geldbeutels.

Natürlich hängt diese Frage nicht wirklich am Fall "Zwanziger ./. Weinreich". Aber sie hängt in der Tat am dahinter stehenden Prinzip und so gesehen ist es wieder ein Verdienst des DFB-Präsidenten, dass er diesem Prinzip durch seine offensichtliche Rachsucht ein besonders plakatives Gesicht gegeben hat: Andere Demagogen gehen weniger offensichtlich vor.

Menschen wie Jens Weinreich müssen für Funktionäre wie Theo Zwanziger unglaublich unerträglich sein. Das ist ihre Berufung und ihr Schicksal zugleich. In Weinreichs Fall  hat das vor allem finanzielle Konsequenzen: Denn obwohl die beteiligten Gerichte bislang immer zugunsten des freien Sportjournalisten entschieden haben, sind ihm bereits Kosten in fünfstelliger Höhe entstanden, die er selbst tragen muß – während Zwanziger als DFB-Präsidenten in dieser Frage offensichtlich sorgenfrei ist.

Jens Weinreich braucht deshalb Hilfe. Und denken Sie bitte nicht, das ginge Sie nichts an. Stellen Sie sich einfach vor, Sie wollten irgendwann Ihr verfassungsmäßiges Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nehmen und eine Institution wie den DFB kritisieren. Stellen Sie sich vor, einem Menschen wie Theo Zwanziger würde das nicht gefallen.

Und stellen Sie sich zum Abschluß vielleicht noch vor, es gäbe keine Journalisten wie Jens Weinreich mehr, die Sie auf solche Zusammenhänge aufmerksam machen könnten. Dann wären Sie mit Leuten wie Theo Zwanziger alleine.

 "Einen Zwanziger gegen Zwanziger":

Ich sage dem Journalisten Jens Weinreich "Danke" und unterstütze ihn durch eine Spende auf das eigens eingerichtete Spendenkonto:

  • Kontoname: Spenden DFB ./. Weinreich
  • Kontonummer: 1005801897
  • BLZ: 12030000
  • Deutsche Kreditbank AG
  • BIC/SWIFT BYLADEM1001
  • IBAN DE71120300001005801897