Was der Feldhase vom Titel „Tier des Jahres 2015“ hat

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild hat den Feldhasen zum Tier des Jahres 2015 gewählt. Das ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil es seit 2001 schon das zweite Mal ist, dass die Wahl auf dieses Wildtier fällt – es fällt vor allem deshalb auf, weil der Feldhase zu den Tieren gehört, die trotz schwindender Bestände nach wie vor kräftig bejagt werden.

Alleine in Nordrhein-Westfalen wurden in der abgelaufenen Jagdsaison 2013/2014 rund 52.000 Feldhasen erschossen. Im Jahr zuvor waren es fast 80.000 Tiere und 2010/2011 über 107.000 Stück. Nur in Nordrhein-Westfalen. In der Öffentlichkeit beklagen die Jagdverbände, die Feldhasen seien durch starke Veränderungen ihres Lebensraumes massiv bedroht, also beispielsweise durch die immer intensivere Landwirtschaft und zunehmend monotones Gelände. Und deshalb, so die Jagdgenossen, habe man in der letzten Saison deutschlandweit rund 70.000 Feldhasen weniger abschiessen können, als im Jahr zuvor.

Statt die eigenen Wunden zu lecken, könnte man natürlich auch fragen: Warum geht man so mit einem Wildtier um, dass es ohnehin immer schwerer hat bei uns? Beim Feldhasen scheitern leider überwiegend die sonst üblichen Argumente, die beispielsweise gerne gegen den Rotfuchs in Stellung gebracht werden: Er schadet nicht dem Niederwild, er überträgt nicht den Fuchsbandwurm, er ist nicht mal unsympathisch. Damit ein letzter argumentativer Notanker bleibt, warnt man stattdessen gerne mal vor der Hasenpest, an der dummerweise auch noch nie so recht Menschen gestorben sind.

Insofern gilt den Mitgliedern der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild durchaus Dank für Ihre Wahl. Und wenn Sie in den nächsten Wochen Meldungen zum „Tier des Jahres 2015“ lesen, dann achten Sie doch mal drauf – ob da auch steht, warum man bedrohte einheimische Tiere auch noch schiessen muss.

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