Man springt nicht von einer Brücke, nur weil die angeblich nächste Woche einstürzt


Meine Tage bestehen momentan zum großen Teil aus Gesprächen. Per Telefon oder Videocall natürlich, denn Publikumsbetrieb wäre eine schlechte Idee zur Zeit. Die Gespräche drehen sich bei vielen Mandanten um die Frage, ob es ihr Geschäft in einigen Wochen noch geben wird — und nicht wenige wollen einen Rat, ob sie lieber jetzt schon existentielle Entscheidungen treffen sollten. Die Geschäftsräume kündigen, Mitarbeiter entlassen, die Selbständigkeit aufgeben und lieber gleich nach einem neuen Job suchen — der Druck, irgendwas zu entscheiden ist für viele riesig.

Ein solcher Handlungsdruck entsteht häufig auch, wenn Menschen merken, dass sie irgendwas falsch gemacht haben. Juristen sind beispielsweise anfällig dafür, wenn sie feststellen, dass sie in einer Akte eine wichtige Frist übersehen haben. Dann diktiert ihnen häufig der Bauch, sofort irgendwas zu tun, anstatt den Fehler erst in Ruhe zu analysieren und dann mit kühler Hand den nächsten Schritt zu überlegen. Merke: meistens ist der zweite Fehler tödlich, nicht der erste.

Wer jetzt angesichts der Corona-Nachrichten weitreichende Entscheidungen für seine Unternehmung treffen will, sollte an diesen Satz denken. Man springt nicht von einer Brücke, nur weil die angeblich in der nächsten Woche einstürzen wird. Vorhersagen zur Corona-Krise sind aktuell so zuverlässig wie der Wetter-Trend für die nächsten zehn Tage und die heisse Phase steht uns erst noch bevor. Praktisch niemand kennt einen Menschen, der eine solche Situation schon mal erlebt hätte, also lernen wir notgedrungen alle miteinander.

Keep calm and wash your hands. Wir kommen noch an den Punkt, an dem jeder darüber wird entscheiden müssen, wie es mit einer unternehmerischen Existenz weitergeht, aber dieser Tag ist nicht heute.